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Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 3 und 4)

Stücke. 
Den Stil, dem wir an diesen Werken 
begegnen, hat Roccatagliata nicht in Genua. 
wo er ein Schüler Cesare Groppos war, 
sondern erst in Venedig sich angeeignet: 
wie allgemein die venezianische Skulptur 
und Plastik am Ausgang des Cinquecento 
an die Überlieferungen der Kunst Vittorias 
anknüpft, so muß auch Roccatagliata zu 
dessen Nachfolgerschaft gerechnet werden. 
Ein Blick auf den Bronzeleuchter vom 
Abb.27.Pierä,Werl-xstattdesRaphaelDonner Jahre 1570 in Santo Stefano wird uns davon 
überzeugen. 
Schließlich möchte ich noch eine Figur der Sammlung Zatzka dieser 
Gruppe angliedern: einen jugendlichen Imperator, der in der vorgestreckten 
Rechten eine (jetzt abgebrochene) Statuette einer Gottheit oder eines 
Penaten hält (Abb. 18)."' Die Behandlung der Gesichtspartien und die des 
aufsteigenden I-Iaarschopfes sprechen für die Kunst Venedigs am Ausgang 
des XVI. Jahrhunderts. 
Neben diesem Ausklingen des großen Stils Sansovinos undVittorias ist in 
Florenz eine Werkstatt in voller Tätigkeit, die ihren Ursprung und ihr Können 
Giambologna verdankt. Mannigfach sind ihre Produkte: sie lassen sich entweder 
auf Entwürfe des Meisters zurückführen oder - und dies ist auch meistens der 
Fall - sie sind nur Wiederholungen, Umbildungen und Nachemplindungen 
nach seinen Werken. Eine förmliche Ausbeutung, worüber der Meister selbst 
Klage erhob." Hier möchte ich die vergoldeten Statuetten zweier Propheten 
(Abb. I9 und 20), vielleicht auch zwei Varianten einer Moses-Figur mit den 
Gesetztafeln, anführenffl" Der Vergleich mit den Bronzereliefs, den Leidens- 
weg Christi darstellend, die Giambologna für die Kapelle del Soccorso alla 
Nunziata zu Florenz (1594 bis 1598) ausführteff verleitet uns, diese vene- 
zianisch anmutenden Gestalten seinem späten Kreise zuzuschreiben. Man 
vergleiche sie mit dem Pilatus und den um ihn stehenden Figuren mit 
den turbanartigen Kopfbedeckungen und den wallenden Bärten: Überein- 
stimmungen sind, wenn auch nicht zwingend, so doch unverkennbar. An 
einen venezianischen Ursprung könnte aber auch gedacht werden. 
Dem Giambologna-Kreis gehört ferner ein Muskelrnann noch im Roh- 
guß an (Abb. 2x).1-1- Auf Grund der Angabe Baldinuccis, wonach Pierre 
 
"' Bronzestztuette, Höhe 345 Zentimeter; schwarzer Lack, ziseliert. 
"" Gaye, Caneggio inedito, III, 496. 
"K" Bronzestatuetten, Höhe 18 Zentimeter und r7'5 Zentimeter; vergoldet. Bei der Figur Abb. 20 ist die 
rechte Hand aus Holz ergänzt. 
1- Vgl. Bocchi-Cinelli. Le bellezze di Firenze, 1677, Seite 444; Richa, Notizie istoricbe delle chiese 
üorentine, 1754-1762, Band VIII, Seite 40; Desjardins, La vie et Yoeuvre de Jean Bologne, Paris. 1883; 
E. Tietze-Conrat in Thiemes Künstlerlexikon. 
H- Bronzestatuetxe, Höhe tg-z Zentimeter; braune Patina.
	        

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