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Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 3 und 4)

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Rahmens herabgedrückt, indem Kuppelungen und Ornamentendigungen den 
Stäben die Selbständigkeit rauben. 
Überhaupt ist es die Neigung der Franzosen bis in die letzten Zeiten 
des Empire geblieben, das Gitter zu architektonisieren, in durchaus klassi- 
zistischer Weise. Pfeiler als kannelierte Pilaster mit Kapitellen aus Eisen- 
stäben zu bilden, ist sehr gebräuchlich. Vorzüglich architektonisch ist aber 
auch der ganze Bau des Gitters mit seiner sicheren Betonung von Basis 
und Abschluß und der klaren senkrechten Gliederung durch Pfeiler und 
Portale. Diese Fähigkeit zu gliedern, Rahmen und Inneniiäche auseinander- 
zuhalten und die dekorativen Proportionen zu treffen, entspringt der groß- 
  
 
 
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Abschlußgizter in der Servixenkirche zu Wien (nach Ilg und Käbdebo) 
artigen Idee des Gesamtkunstwerkes, welches die Barockzeit in ihren 
Schlössern verwirklicht hat, und sticht so grell wie möglich von dem 
schlichten Handwerkswesen in Deutschland ab. 
Von dem Laub- und Bandelwerk Berains führt die stetig sich wandelnde 
Entwicklung zu immer luftigeren und zierlicheren Formen. Statt der Brechung 
tritt elegante Biegung ein, und bei Huquier (dessen Schlosserbuch etwa 1740 
erschienen ist) tritt das Rokoko vollendet auf den Plan. Aber es ist und 
bleibt ein gesetztes Rokoko, bei dem die Zutat des Rocailles fast gänzlich 
fehlt, dessen Ehrgeiz weniger auf überquellende Erfindung als auf klare 
Anordnung und eine delikate, unendlich vornehme Liniensprache geht, 
von einer Zartheit, die gegenüber dem handfesten Eisen mitunter ans 
Dekadente streift. Die große architektonische Selbstzucht des französischen 
Geistes bewahrt ihn vor jeder Ausschweifung, verleiht seinen Gittern aber 
auch oft jene kalte und trockene Korrektheit, zu der so viele Bauwerke seit
	        

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