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Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 3 und 4)

 
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KLEINBRONZEN AUS DER SAMMLUNG DES 
STADTRATES ZATZKA-WIEN 50' VON LEO 
PLANISCIG-WIEN 51b 
IE Bestimmung von Kleinbronzen, namentlich solcher 
oberitalienischen Ursprunges, bleibt, trotz aller 
einschlägigen großen und kleinen Veröffent- 
lichungen, eine der schwierigsten Aufgaben auf 
dem Gebiete der kunsthistorischen Material- 
forschung. Wir begnügen uns derzeit noch immer 
mit Schlagworten, die bestimmte, bereits zusam- 
mengestellte Gruppen charakterisieren sollen, 
stempeln einzelnen Stücken Bezeichnungen auf, 
denen nur eine approximative Bedeutung beizu- 
messen ist, und nur in den seltensten Fällen 
gelingt es, wie etwa bei Francesco da Sant'Agata und bei Maffeo Olivieri 
(durch Bode) oder bei Antico (durch Hermann), eine Künstlerindividualität 
klar und deutlich herauszuschälen. 
Nun wird - leider sehr häuiig- der als Schlagwort gewählte Künstler- 
name nur zu bald zu einer unbezweifelten Tatsache: das als „sicher" ange- 
nommene Stück bildet die Grundlage zu weiteren Bestimmungen und so 
entstehen labile Begriffe, verwirrend für den Sammler, wertlos für den 
Forscher. Doch Bronzestatuetten sind - namentlich in letzter Zeit - ein 
beliebtes Sammelobjekt geworden und bekanntlich verlangen die meisten 
Sammler vor allem „Namenü 
Der wissenschaftlichen Forschung gelingt es vielleicht noch im Laufe 
der Zeit, durch neues Material, durch Fleißiges Arbeiten in den Archiven 
und nicht zuletzt durch glückliche Funde diesen oder jenen Künstler als 
Bildner kleiner Bronzetiguren einwandfrei zu ermitteln. Trotzdem wird auf 
diesem Gebiete Manches unbekannt bleiben müssen, da die Schwierigkeiten 
in der Mehrzahl der Fälle unüberwindlich sind. Wir werden uns noch lange 
mit annähernden Bestimmungen begnügen müssen, die Zeit, Land und 
Schule definieren, dessen bewußt, daß ein eventuell genannter Künstler- 
name nur als Schlagwort für eine bestimmte Stilrichtung verwendet wurde. 
Unter dieser Voraussetzung schicke ich mich an, eine Reihe von Klein- 
werken der Metallplastik aus der Sammlung des Herrn Stadtrates Ludwig 
Zatzka-Wien zu veröffentlichen und an Hand einiger von ihnen Fragen zu 
erörtern, die in engerer Beziehung zur allgemeinen Kunstentwicklung 
stehen. „ t 
ßk 
Um möglichst chronologisch vorzugehen, führe ich als erstes Stück ein 
kleines Relief an (Abb. I): zwei nach links schreitende bärtige Männer, die 
eine übergroße, an einen Stab gebundene Traube auf den Schultern tragen, 
womit sicher die alttestamentarische Darstellung der aus dem gelobten 
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