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Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 3 und 4)

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gefühls gezogen wurde. Die Vorbilder waren so gut und die Technik konnte 
so wenig verdorben werden, daß auch die üppigsten Nachahmungen hier 
immer noch etwas Enrägliches, ja kunstgewerblich Wertvolles haben, 
verglichen mit andern Gebieten _ vor allem der Baukunst selbst. 
An dem Wiedererwachen der angewandten Kunst um 1900 hat das 
Gitter konsequenterweise lebhaft teilgenommen. Aber es schritt nicht mehr 
voran; die Baukunst übernahm energisch die Führung, und ihr paßte sich 
das Gitter gehorsam an. Es ist ein neuer Abschnitt von unerwarteter Per- 
spektive, der sich hier öffnet; und da wir hier, mitten in dem ungeheuren 
Krieg, einen Brennpunkt schwerwiegender Streitfragen" auftauchen sehen, 
so ziemt es uns, vor Aufrollung zukunftsschwerer Probleme, die Entwicklung 
zu beschließen. 
TRUHEN UND TRUHENBILDER DER ITALIE- 
NISCHEN FRUHRENAISSANCE da} 50' VON PAUL 
KRISTELLER S0 
IE Truhe ist ohne Zweifel eines der ältesten Möbel- 
stücke, die Urform des beweglichen - nicht in der 
Wand oder im Fußboden ausgesparten - Auf- 
bewahrungsbehältnisses. Aus ihr entwickelt sich 
der Reisekoffer wie der freistehende, erst nach und 
nach in die Höhe wachsende Schrank. Die Truhe 
diente als Kleider- und Wäschespinde, als Auf- 
bewahrungsort für alle Arten von Dingen für den 
persönlichen Gebrauch, für Decken und Teppiche, 
Silbergerät und andere Kostbarkeiten, für Bücher 
und Dokumente und anderes mehr, sie diente als 
Transportmittel für den Umzug und die Reise, sogar manchmal als Sarg. 
Daneben machte sie sich auch als bequeme Sitzgelegenheit nützlich. 
Die große Rolle, die die Truhe, der cassone oder forziere, in der Kunst- 
geschichte Italiens gespielt hat, verdankt sie wohl in erster Linie ihrer über- 
aus häuligen Verwendung als Brauttruhe, die den größten Teil der Mitgift 
an Gegenständen des Gebrauches und Schmuckes für den Leib in sich 
bergen und zugleich selber ein schmuckreiches, bedeutungsvolles Stück 
der Ausstattung für den neuen Hausstand sein sollte, das seinen Platz im 
ehelichen Schlafgemach zu finden und zu behalten bestimmt war. Erst durch 
solche besondere Beziehungen konnte das einzelne Stück einen indivi- 
duellen Charakter gewinnen. 
 
"' Vergleiche insbesondere Heft x, 4, 6 des laufenden (26.) jahrganges des „Kunstgewerbeblanesß über 
die Gefahr des autogenen Schweißens für die Schmiedetechnik. 
i" Paul Schubring, Cassoni. Truhen und Truhenbilder der italienischen Frührenaissance. Ein Beitrag 
zur Profanmalerei im Quarrrocenro. Textband mit 46 Abb. auf 15 Tafeln. Tafelband 54': Abb. auf x86 Tafeln 
Leipzig rgr5. Verlag von Karl W. Hiersemann. 
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