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Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 3 und 4)

die naturalistische Seite des spät- 
donatellesken Stils an, so war Riccio 
bestrebt, das Antikische dieses Stils 
noch zu übersteigern. Die Lombardi, 
namentlich Tullio, verstanden aber, 
sich von der Pedanterie des antiki- 
schen Beiwerkes Riccios zu befreien 
und einen abgewogenen, vornehmen 
Stil einzuschlagen, der mit dem 
Augusteischen, zugleich aber auch 
mit dem Napoleonischen Empire im 
höchsten Grade verwandt ist. Man- 
che heißen ihn leer, nichtssagend, 
monoton; derlei Empfindungen sind 
aber subjektiv. 
Dem späten Kreise der Lom- 
bardi, somit den ersten Jahrzehnten 
des venezianischen Cinquecento, 
gehört eine weibliche Statuette un- 
serer Sammlung an (Abb. 2 und 3)." 
Eine jugendliche Gestalt, leise nach 
vorwärts schreitend, den Kopf ge- 
hoben und leicht nach links gewandt, 
wie ihn Tullio gern darstellte, darauf 
ein Diadem. Die Haare, in mehreren 
langen Zöpfen gebunden, fallen die 
Schultern hinab. Es handelt sich 
vielleicht um eine allegorische Tu- 
genddarstellung, jedenfalls ist eine _ V 
nähere Charakteristik schwer. da  Abb. 5. Johannes der KiIIKÄXLJrKHOYCDUIIXSClJ, XVI. Jahr- 
erhobene Linke, auf der man ein 
Attribut erwarten würde, an unserem Gusse leer geblieben ist. Der Hinweis 
auf den Kreis der Lombardi erscheint bei dieser Figur wohl berechtigt. 
Nur wissen wir bis heute allzuwenig über die künstlerische Entfaltung 
dieser Familie in Venedig, vor allem über ihre Tätigkeit als Bronze- 
gießer. Dem Antonio Lombardo wurden die Bronzereliefs, die einst das 
Grabmal des Dogen Barbarigo in der Carita-Kirche schmückten und sich 
jetzt im Museo archeologico des Dogenpalastes befinden, zugeschrieben." 
Ein jugendlicher Apostel auf dem Relief mit der Himmelfahrt Mariä - die 
dritte Figur rechts - erinnert, vor allem in der Behandlung des Kopfes, an 
unsere Statuette. Es ist dasselbe ovale, etwas nach hinten geneigte Antlitz, 
mit den horizontalen Augenlidern, mit der geraden Nase und dem halb 
"' Bronzestatuene, Höhe x6'5 Zentimeter; Basis mitgegossen; braune Patin: und Lackreste. 
i" Vergl. Gallerie nazionali italiane, Band II, 55.
	        

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