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Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 5, 6 und 7)

vieler anderer LUWCISUII- 
gen werden, die schließlich 
auch stilkritisch gar nichts 
mehr miteinander zu tun 
haben. Dies übt offenkundig 
Entschluß, sich unter die Zahl dieser 
Glücklichen einzudringen und durch 
ein kühnes Wagestück zu erreichen, 
was vielleicht den Bitten des jungen 
Künstlers versagt werden könnte. Er 
erbath sich von der Fürstinn von Diet- 
richstein, bey welcher der unvergeß- 
liche KaiserJoseph im Kreise mehrerer 
von ihm geschätzten Damen und Ka- 
valiere öfters seine Abende verlebte, 
die Gnade, den Kaiser zu sehen, und 
wenn es ohne Aufmerksamkeit zu er- 
regen geschehen könnte, zeichnen und 
in Wachs bilden zu dürfen. Unbemerkt 
wie er glaubte, hatte sich der junge 
Künstler in eine Ecke des Sales ge- 
schmieget, und in seinem Hute die Züge 
des Monarchen auf Wachs so schnell 
wiemöglichhingeworienAlleinJosephs 
Auge hatte ihn bereits ausgespähet, 
und sich bey dem Fürsten nach ihm er- 
kundiget; dieser forderte ihm alsogleicb 
diesen ersten Entwurf ab, um ihn dem 
Monarchen vorzulegen. Die ganze Ge- 
sellschaft erkannte schon in den weni- 
gen Ziigen die Ähnlichkeit des Gebildes, 
und der gütige Kaiser schenkte dem 
von dieser Gnade hoch entzückten 
Künstler einige Stunden, wo er ihm 
zur Vollendung seiner Arbeit saß. Mit 
dem sprechend ähnlichen Bilde eilte 
der Jüngling zu der Kaiserin Maria 
Theresia, welche ihm erlaubte, sich 
dafür eine Gnade zu erbitten. Mit 
Sitzende Dame, Porzellan. Wien, Anfang der achtziger Jahre des Pochmdg? Herzen geh" d" Künsu" 
xvnlwlahrhunderls als Pensionär nach Rom gehen zu 
dürfen, allein der Kaiserinn Majestät 
hatte die sechs dahin bestimmten Zöglinge bereits ausgewählet, und Grassy mußte, obschon er übrigens von 
der Monarchin und dem Kaiser ansehnlich beschenkt wurde, seinem glühendsten Wunsche entsagen. (NB. Die 
eingeklammerte Stelle ist in dem von Braun abgedruckten Neluologe nicht enthalten.)] lm Jahre x79: erst, 
also zwanzig Jahre später, erhielt er die Erlaubnis, auf Kosten der Porzellan-Manufaktur eine Reise nach Italien 
zu machen. Sein Aufenthalt in Rom dauerte indessen nur durch neun Monathe, weil die dort ausgehrochenen 
Volksunruhen ihn zwangen, nach seinem Vaterlande zurück zu kehren. Aber auch diesen kurzen Zeitraum 
hatte der Künstler mit vielem Eifer und großem Fleiße benützet. Eine sehr getreue Copie der berühmten Gruppen 
der Niobe in 18 Zoll hohen Figuren hatte er in der französischen Schule verfertiget. und nebst mehreren 
Abgüssen, Antiken, Statuen und Büsten hierher geschickt; einen Schatz von Zeichnungen brauchbarer und 
nachahmungswürdiger Gegenstände brachte der Künstler selbst in seine Heimath zurück. 
Hier ward ihm bald darauf, nähmlich im Jahre r7g4, als der Mahlerey-Direktor der Manufaktur mit Tode 
abgieng, nunmehr auch die Leitung der höherenKunstklassen in derMahlereyund dieAufsicht undKorrektur über 
die Geschichten- und Landschaften-Mahler übertragen, welche er bis an sein Ende mit regem Eifer besorgte. 
Die Porzellan-Manufaktur verdankt einen großen Theil ihrer Vervollkommnung im Kunstfache seinem 
gereinigten Geschmack: und Kunstsinne, seiner Thätigkeit und vorzüglich seiner, selbst bey zunehmender 
Kränklichkeit nie erkaltenden Liebe für das Kunststudium, mit welcher er auch die Zöglinge der Manufaktur 
beseelte und ihnen als Lehrer selbst das schönste Vorbild war.
	        

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