MAK

Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 5, 6 und 7)

Artur Paunzen ist mehr Zeichner-Illustrator. Ihn reizt das Groteske und die Karikatur, 
E. T. A. Hoffmann (Der goldene Topf), dann wieder Verhöhnungen politischer und 
sozialer Bösewichte. Was den Augenblick bewegt, und was hinter den Masken des Alltags 
an tieferen, oft grausigen Mächten am Werke ist, sucht er hervor und will es bannen. 
Vieles gelingt ihm. 
ÜNSTSALQN HELLER: URIEL BIRNBAUM. Ein bishernoch unbekannter 
Name. Ein ganz junges Talent, das zu einem verwöhnten Publikum mit naiver und 
unbekümmerter Überzeugung spricht. 
Zeichnungen zum Buche Daniel, Illustrationen zu E. A. Poe, Porträtköpfe. Die letzten 
noch von außen beeinflußt, die ersten ganz von innen heraus mit reicher Phantasie 
geschaffen. Die grotesken Darstellungen der Visionen Poes sind Äußerungen einer auf das 
Schauerliche und Packende gerichteten Phantasie, die nicht immer ganz von den Ausdrucks- 
mitteln persönlichen Gebrauch zu machen weiß. 
In den Federzeichnungen mit farbigen Tinten, die dem Propheten Daniel folgen, sind 
ganz eigene und besondere Qualitäten zu finden. Hier sind alle Anlehnungen abgestreift, 
alle Türen der Phantasie geöffnet, die reichlich strömt, sich auswirkt. In das quadratische 
beschränkte Bildfeld sind mit ornamentalem Geschmack in einer ganz eigenartigen Strich- 
führung mit dem bescheidenen Material der spitzen Feder und farbiger Tinten merkwürdig 
reiche Szenen gebannt. Nur soviel, als die Phantasie benötigt, um feste Form zu erhalten, 
und genug, um fesselnd, gehaltvoll zu wirken, gibt uns das Dargestellte. 
Wenn es einer solchen Begabung gelingt, voll auszureifen und die Gefahren des 
Lebens zu überwinden. dann kann der heimischen Kunst ein starker Gewinn erwachsen. 
ACHLASS FRIEDRICH VQN AMERLINGS. DieWidmung des Erträgnisses 
aus der Versteigerung von Amerlings Nachlaß hat für die Künstlerschaft Wiens eine 
bleibende Bedeutung. Der hohe Betrag, den nun die Genossenschaft bildender Künstler 
Wiens zu verwalten haben wird, kann segensreiche Folgen für unser Kunstleben zeitigen; 
er ist zu einem verhängnisvollen Zeitpunkt in günstigster Weise der notleidenden Künstler- 
schaft freigemacht worden. 
Das k. k. Versteigerungsamt hatte diesmal eine sehr dankbare Arbeit zu leisten. Alles, 
was in den Schauräumen des Dorotheums zu sehen war, fand günstige und willige Auf- 
nahme, freigebige und eifrige Käufer. 
Es war manches Stück von erheblichem Wert darunter, das kunstgewerblichen 
Sammlungen zur Zierde gereichen kann, wie namentlich Mobiliar von oberitalienischer und 
süddeutscher Herkunft. Die Begeisterung für die Renaissancezeit, welche die Makart-Periode 
kennzeichnet, spiegelt sich auch in den Erwerbungen Amerlings, dem vorwiegend der 
reiche plastische Schmuck, die Patina edeln Materials, die lebendige malerischeErscheinung 
wertvoll war. Naturgemäß hat dabei weniger der Kunstwert vom Sammlerstandpunkt die 
ausschlaggebende Rolle gespielt. So war vielen Stücken jener bestrickende Reiz der farbigen 
und dekorativen Wirkung eigen, die oft nur geschickten Kombinationen verschiedener 
Einzelheiten, jener geschmackvollen Aufmachung zu danken ist, die aus der Pflege des 
malerischen Innenraums hervorwuchs. Einige gute Selbstporträte und Studien Amerlings, 
ferner Bilder, Handzeichnungen alter Meister, Waffen und Musikinstrumente vervoll- 
ständigten die Stimmung, die durch den prunkvollen Rahmen der alten Einrichtungsstücke 
gegeben war. Die Schaustellung machte für kurze Zeit wieder einen Einblick in den 
künstlerischen Apparat einer vergangenen Periode lebendig, die zu den Glanzzeiten des 
Wiener Kunstlebens zählt. Italienische Bronzen und deutsche Silberarbeiten, italienische 
Fayencen und deutsches Steinzeug, Schweizer Scheiben und deutsche I-Iinterglasmalereien, 
Uhren, Anhänger, Beinarbeiten, kurz das mannigfaltigste und so reizvolle Material des 
kunstgewerblichen Kleinbetriebes war auf vielen Gebieten durch gute Stücke vertreten, 
wenn es auch nicht immer ganz hervorragende waren. Wie sehr heute der Wert solcher
	        

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