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Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 5, 6 und 7)

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einst leichter Erwerbungen gestiegen ist, läßt die Tatsache erkennen, daß die Nachlaß- 
Schätzung vor 30 lahren 120.000 Gulden österreichischer Währung betrug, während die 
Auktion mehr als den vierfachen Betrag erzielte. Er soll nun als Friedrich und Marie 
Amerling-Fonds der Unterstützung notleidender Künstler dienen. 
UCHKUNSTAUSSTELLUNG DER K. K. HOFBIBLIOTHEK. In 
dem Prunksaal am Josefsplatz sind wieder reiche Schätze vor den Genießenden 
ausgebreitet worden. Als Nachtrag zur Bugra erschien nun eine Buchkunstausstellung aus- 
schließlich aus habsburgischem Besitz. Man las an den sorgfältig zusammengestellten 
Erklärungen, welche den Objekten beigegeben wurden," wie weit die Erwerbungen zurück- 
reichen, wie früh die österreichischen Fürsten Buchschätze zu sammeln begannen; der 
große Prunkraum, den Karl VI. diesen Schätzen gewidmet hat, repräsentiert die hohe 
Bedeutung des Inhaltes der barocken Regale. Nun wird die feierliche Stimmung des pracht- 
vollen Saalbaues noch durch die Ausbreitung einzelner Kunstwerke besonders vertieft. 
Vitrinen mit prächtigen Einbänden und einzelne besonders herausgegriffene Buchdeckel 
lassen die glänzende Entwicklung erkennen, welche das äußere Kleid der Bände durchlief. 
Daß hier besonders häufig Beziehungen zum Herrscherhause auftreten, ist erklärlich; wir 
finden die schöne juwelierarbeit der Hüllen an jenen Zeugen der Frömmigkeit, welche 
den Fürsten zu eigenem Gebrauch dienten, welche als Geschenke fir hohe Kirchenfürsten 
und fremde Herrscher von Österreich ausgingen. Wir sehen auch wertvolle persönliche 
Widmungen, Dedikationsexemplare, patriotische dichterische Werke, die kostbare Hüllen 
tragen. 
Naturgemäß ist die größte und reichste Auswahl unter jenen Seltenheiten getroffen 
worden, die früheren Perioden angehören, insbesondere der Zeit vor Erfindung des Buch- 
druckes. Das geschriebene Buch mit den gezeichneten Titeln und Initialen, mit Kapitel- 
anfängen und blattgroßen Einschaltungen weist so außerordentlich schöne und leider zu 
wenig gekannte und gewürdigte Leistungen auf, daß hier allein die ganze Kunstentwicklung 
in typischen Beispielen zur Schau steht - vom frühen Mittelalter bis zur Blüte der 
Renaissancezeit. Aus den Inkunabeln sind glänzende Vertreter der Druckkunst den 
Handschriften angereiht. Die persisch-islamitische Buchkunst ist nicht minder glanzvoll 
und lehrreich vertreten und weist große Seltenheiten auf. 
Daß dann dem XVII. und XVIII. Jahrhundert kein großer Raum mehr gegönnt wurde, 
daß auch das Interesse des Beschauers immer wieder von jenen Originalen gefesselt wird, 
die den Rang selbständiger, einzig dastehender Kunstwerke einnehmen, ist begreiflich. 
Man möchte dem gedruckten Buche eine abgesonderte und abgerundete Vorführung 
wünschen, die von der Pracht des geschriebenen Werkes nicht verdunkelt wird. 
Man erkennt bei der getroffenen Wahl die außerordentlich mannigfaltige und viel- 
gestaltige Reichhaltigkeit der Sammlung, in der Orient und Okzident so trefflich vertreten 
sind, in der das nationale Gefüge des Staates durch slawische, ungarische und italienische 
Besonderheiten so interessant ausgeprägt ist. 
KLEINE NACHRICHNTEN SC- 
BERLIN. KRIEGERGRÄBER. Auch der Krieg unterliegt als historisches Faktum 
den allgemeinen Bestimmungen des Kultur-willens einer Zeit. Auch dieser Krieg trägt 
die typischen Merkmale unserer Zeit: die Industrialisierung aller menschlichen Kräfte. Auch 
er wandelt die freie Beschaulichkeit des ästhetischen Gefühls in die festen Bestimmungen 
eines großen Programms, um sie seiner Idee dienen zu lassen. 
"' Vor einigen Tagen ist auch der von Hofrat Dr. J. von Karabncek und Dr. K. Rathe überaus sorgfältig 
gearbeitete Katalog erschienen. Er ist rnit 4x hübschen Vignetten, Randleisten und anderen Buchschmuck- 
ornamenten, sämtlich Reproduktionen ausgestellter Werke, geziert und kostet t Krone. Der Reinertrag der 
Ausstellung ist der Aktion „Bücher ins Feld" gewidmet. (Anmerkung der Redaktion.)
	        

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