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Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 8 und 9)

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die Worte IOANNES CI-IRHSTI] . . . . wahrnehmen. Indem sich hier 
Cuspinian samt seinen Angehörigen durch die obigen Beischriften mit der 
Familie des galiläischen Fischers Zebedäus identifizierte, dessen Söhne 
Jacobus (maiorj und Johannes nach dem Evangelium Matthäi 4, 21 (und 
Ev. Marci I, 19) von Jesus unter die Apostel berufen worden waren, wollte 
er dem Bilde oHensichtlich einen „biblischen" Anstrich geben. 
Es ist nun eine höchst bemerkenswerte, schon von Theodor von 
Frimmel": festgestellte Tatsache, daß sich auch auf dem Gegenstücke der 
Cuspinian-Tafel, dem kaiserlichen Gruppenbildnis, derartige der heiligen 
Schrift entnommene Namensbezeichnungen finden. Bei oberflächlicher 
Betrachtung zeigen sich allerdings ganz andere Aufschriften. Über dem 
Porträt Maximilians liest man die Worte: MAXIMILIANVS. I. IMP. 
ARCHIDVX AVSTRIZE DVX BVRGVNDIIE, über Philipps und Marias 
Köpfen: PHILIPPVS I-IISP. REX. I. ARCHIDVX AVSTRIZE, beziehungs- 
weise MARIA DVCISSA BVRGVNDIIE MAX. VXOR und unter Karls 
und Ferdinands Gestalten steht an der Brüstung: CAROLVS V. IMP. 
ARCHIDVX AVSTRIIE sowie FERDINANDVS. I. IMP. ARCHIDVX 
AVSTRUE. Ludwigs Name LVD OVICVS REX HVNG: ET BOI-IEMIIE 
wurde in Errnanglung eines geeigneten Platzes auf der Pergamentrolle an- 
gebracht. Indes beweist aber Ferdinands Betitelung deutlich, daß alle diese 
Überschriften erst viele Jahre nach Strigels Tod hinzugefügt wurden; denn da 
Ferdinand hier bereits als Kaiser bezeichnet ist, können die Überschriften 
nicht vor 1558 auf das Bild aufgesetzt worden sein. Sieht man sich dann 
die Tafel etwas genauer an, so macht man die überraschende Entdeckung, 
daß unter den eben angeführten Namen, durch die deckende Farbschichte 
teilweise unleserlich gemacht, I-Ieiligennamen stehen, die wie beim 
Cuspinian-Bilde dem Kreise der heiligen Sippe entnommen sind. Es ist 
Baldass Verdienst, diese, wie gesagt, bereits von Frimmel bemerkten über- 
malten Sippennamen als erster publiziert zu haben, und zwar entzifferte er 
(l. c., pag. 273f.) folgendes: 
Unter MAXIMILIANVS etc. stand ursprünglich: 
CLEOPl-IAS. FRATER. CARNALIS. [I0] 
SEPI-II. MARITI. DIVIE. vmc. MARIIE. 
Von Philipps des Schönen Beischrift konnte Baldass nur das I-IIEROSO- 
LYMYTANVS der zweiten Zeile lesen. Jedoch gelang mir, als ich mich 
seinerzeit unabhängig von Baldass mit diesen Überschriften beschäftigte, auch 
die Entzifferung der drei ersten Worte. Man sieht also (im ganzen) noch: 
I. _n_ 
IACOBVS MINOR FR. 
I-IIEROSOLYMYTANVS. 
" Theodor von Frimmel, Geschichte der Wiener Gemlldesammlungen, I. Hnlbband: Einleitung und 
Geschichte der kaiserlichen Gemäldegalerie (Leipzig 1899), png. 584 f.
	        

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