MAK

Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 8 und 9)

jene großen und abwechslungsreichen Baugruppen, die in den beiden Hofanlagen dominieren. 
In diesen sind aus den umschließenden Fronten der Saalbauten und eingeschobenen Klein- 
bauten anziehende Platzbilder gewonnen, die gute Proportionen besitzen. 
Es ist kein überflüssiger Prunk angewendet und kein aufdringlicher Schmuck. Die 
strenge Sachlichkeit und Einheitlichkeit der vom weißen Putz beherrschten Schauseiten 
zeigt die gute Wirkung einer modernen, von einem zielsicheren Gestaltungsprinzip und 
einer guten Baudisziplin beherrschten einheitlichen Ausstellungsanlage, die auf bloße 
Zufallswirkungen verzichtet; die dem Zweck vor allem dient. Der gute Geschmack 
verhinderte hier jene Ausschreitungen, die sonst gerade bei Ausstellungsbauten häufig 
sind und deren Fehlen sicherlich viel zum Gelingen der guten Wirkung beitrug. 
Auch im Innern herrscht eine wohltuende Ruhe, soweit dies der mannigfaltige 
Inhalt gestattet. Da aber auch diesem eine gewisse Einheit des Zweckes und der Anordnung 
innewohnt, da auch hier zumeist eine gute Disziplin bei der Unterbringung gewaltet hat, 
bleibt die Übersichtlichkeit und zugleich die angenehme Betrachtungsweise gewahrt. Das 
fördert die belehrende und anregende Wirkung des reichen und wertvollen Materials, das 
zur Schau gestellt ist. 
Zwei Abteilungen sind speziell den künstlerischen Zielen gewidmet, die innerhalb 
der Kriegsereignisse, im engsten Zusammenhang mit diesen gefördert werden konnten; 
sie seien aus dem Ausstellungsrnaterial herausgegriffen, das überaus reich ist. 
Die eine wird von der Kunstausstellung des k. und k. Kriegspressequartiers gebildet. 
Dort hat sich ein umfangreiches Bildermaterial angesammelt, das von der Kunstgruppe 
auf verschiedenen Kriegsschauplätzen in den beiden Kriegsjahren geschaffen wurde. Von 
den Wiener Kriegsbilderausstellungen und von einzelnen Sonderschaustellungen ist die 
eifrige Tätigkeit bekannt, die von dieser Stelle aus den großen Kriegsereignissen gerecht zu 
werden trachtet. Die Zahl der an der Front tätigen Künstler ist erheblich gewachsen und 
so hat sich auch die Leistung nach vielen Seiten hin ausgebreitet. 
Im Prater ist bereits die zweite Abteilung zur Schau gestellt, gleichzeitig sind in der 
Schweiz, in Berlin und Stuttgart die Kunstausstellungen vom Kriegspressequartier beschickt 
worden. Immer mehr tritt die bequeme Form der Übertragung eingebürgerter Friedens- 
gewohnheiten - das Überwiegen der Porträtkunst - in den Hintergrund, immer stärker 
erscheint die Wirkung des Erlebten in dem Geschafienen. Ob nun der strengere, nach 
geschlossener Form, nach konzentrierter Darstellung ringende moderne Geist oder die 
irnpressionistische, den flüchtigen Moment fassende, rasch zugreifende Art am Werke ist, 
es mehren sich die Leistungen von packender, tiefgehender Wirkung. Auch zu größeren 
abgerundeten Werken ist hinter der Front mitunter Muße und Konzentration gefunden 
worden. 
Sicherlich ist noch immer die Skizze, der Ausschnitt das Häufigste und Beste. Aber 
es lassen sich immerhin schon die Zeichen einer starken innerlichen Nachwirkung durch- 
fühlen, welche vermutlich noch lange Zeit die künstlerische Tätigkeit unserer Generation 
beherrschen wird. Und als wertvolles Anschauungsmaterial, alsWiedergabe starker, inhalts- 
reicher Eindrücke wird das Gebotene seinen bleibenden Wert behalten. 
Man braucht nur die sicherlich treffliche photographische Arbeit zu überschauen, die 
gleichzeitig geleistet wurde und die teilweise zur Schau gestellt ist, um hier den Unter- 
schied zu fühlen, der zwischen der sachlichen Wiedergabe des Objektivs und der 
Darstellung persönlicher Erlebnisse besteht. 
Von besonderem Reiz sind naturgemäß gerade die graphischen Arbeiten, denen 
die Erzählung, die Folgenreihe zusammenhängender Ereignisse als natürliche Arbeits- 
weise ebenso zufallt wie die rascheste, ilüchtigste Wiedergabe einer Augenbliekswirkung. 
Auch die graphische Arbeit bat sich wesentlich erweitert und hat bleibende Werte 
geschatfen. Es sei hier auch auf den allerdings beschränkteren Einblick hingewiesen, 
welchen die Ausstellung in die Arbeit unserer Bundesgenossen bietet. Die Abteilung für 
Kriegsliteratur bietet Gelegenheit, eine Reihe guter deutscher Veröffentlichungen kennen zu
	        

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