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Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 10)

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Aber von allen Arbeiten, die Prud'hon für den Kaiser und dessen 
Familie schuf, kommt hier sein Anteil an der Wiege des Königs von Rom 
am meisten in Betracht. Als die gesegneten Umstände der Kaiserin ruchbar 
wurden, bestellte die Stadt bei Odiot und Thomire, die schon die Toilette 
ausgeführt hatten, eine Prunkwiege, deren Entwurf abermals Prud'h0n 
anvertraut wurde. Bereits am 5. März 1811 konnte sie dem Kaiser übergeben 
werden. Am 18. März, also zwei Tage vor der Geburt des Königs von Rom, 
berechnet Prud'hon in einem an den Grafen Frochot gerichteten Schreiben 
die Höhe seines Honorars für die Entwürfe und die Überwachung der Aus- 
führung auf mindestens 12.000 Franken. In diesem Briefe unterschreibt er 
sich: „Prud'hon P2 Membre de la Legion d'honneur et M"; de dessin de 
 
Die Seine empfängt das neugeborene Kindlein. Detail von der Wiege des Königs von Rom 
S. M. 1' Imperatrice"? Clement, dem im vorstehenden fast durchwegs gefolgt 
wird, schildert auf ergötzliche Weise eine Lektion, die Prud'hon Maria 
Luisen gab: „L'imperiale eleve n'avait aucun goüt pour les arts. Elle bäillait, 
s'ätirait et disait a son professeur: J'ai bien sommeil, monsieur Prud'hon.' - 
,Eh bien! dormez, Madame', repondait tranquillement Partiste, qui faisait 
philosophiquement sa cordee." 
Die Wiege aber, zu der nach dieser kleinen Abschweifung wieder 
zurückgekehrt wird, ist im Gegensatz zu der von den gleichen drei Künstlern 
ursprünglichen Fassung, das Geburtsjahr des Königs von Rom. Auch auf dem Stich, der 1825 gestochen wurde, 
ist angegeben: „Prudhon pinx. 1811". 
Das Kind schläft, ist nackt und nur halb mit einem roten Mantel, den ein goldgestickter Saum ziert, 
zugedeckt. Es liegt auf einem weißen Kissen und auf weißem Linnen, das über die Erde gebreitet ist, inmitten 
von Gebüsch, in dem neben allerlei Blumen zwei beziehungsreiche Kaiserkronen (couronnes imperiales) und 
Lorbeersträucber zu unterscheiden sind. Rechts hängt zwischen Schilfhalmen ein blauer Vorhang herab. 
Den freundlichen Hinweis auf das interessante Gemälde dankt der Verfasser seinen Kollegen Gustav 
Glück und Heinrich Zimmermann. 
1' Maria Luise hat bereits als jugendliche Erzherzogin gezeichnet. Einige ihre Zeichnungen aus den 
Jahren 1804 bis 1807 finden sich in der k. und k. Familien-Fideikomrniß-Bibliothek aufbewahrt.
	        

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