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Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 10)

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aber noch auf das polychromierte Medaillon der Postamentvorderseite 
hinweisen, ein Motiv, das in der von den Lombardi gepflegten Fassaden- 
architektur mit den bekannten Inkrustationen recht häufig vorkommt, wofür 
mehrere Paläste am Canal Grande, die Miracoli-Kirche oder S. Zaccaria 
zeugen. ä „, 
das römische Grabsteinmotiv 
Man begnügt sich, Tullio Lombardis Kunst als eine von der Antike 
beeinHußte zu bezeichnen. Ohne Genaueres anzugeben, ist bereits auf 
griechische Werke hingewiesen worden, als von seinen zwei Reliefs an der 
Fassade der Scuola di S. Marco zu Venedig -- zwei Darstellungen aus dem 
Leben des gleichnamigen Heiligen - die Rede warf Eine große Rolle spielt 
sicher die Antike bei diesem 
eigentümlichen Renaissance- 
künstler, aber sein Verhältnis 
zur Antike ist ein anderes, als 
etwa das Donatellos gewesen 
war. Unter einem ganz be- 
stimmten Gesichtswinkel hat 
die Antike auf Tullio gewirkt. 
Es braucht nur an das Esten- 
sische Doppeiporträt und an 
jenes verwandte des Museo 
archeologico zu Venedig er- 
innert zu werden, um deutlich 
(irnago clipeata) mit den ge- 
paarten Büsten der Verstor- 
benen (gewöhnlich Mann und 
Frau) zu erblicken. Seine Wer- 
ke sind aber doch derartig 
individuell, daß auch hier, wie 
bei Donatello, eine Verarbei- 
tung der antiken Muster an- 
genommen werden muß. Die 
Art dieser Verarbeitung und 
die entwicklungsgeschichtli- 
chen Prämissen zu dieserVer- 
arbeitung sind - im Vergleich 
mit Donatello - verschieden. 
Tullios Kunst erwächst aus 
demvondiesemgroßenFloren- 
tiner hinterlassenen Stadium 
1' Siehe Cicercne (X. Auflage), Abb. 2. Tullio Lombardi, „Prudemiw (Wien, Sammlung Stefan 
Seite 544. von Auspitz)
	        

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