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Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 10)

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verklärte Gestalten. Zwar ist auch an unserem Christus der gotische, 
krasse Ausdruck des Schmerzes gewichen, aber die Spuren des paduani- 
schen Naturalismus der unmittelbar nachdonatellesken Generation haften 
an ihm noch deutlich. Es ist zwar nicht mehr Donatellos stark bewegte 
Grablegung hinter dem Santo-Altar, aber Reminiszenzen dieser Darstellung 
sind darin unverkennbar. Ein Mittelding zwischen dem wilden Schmerze 
der Gestalten des Toskaners und den in der Geste klassizistisch-ruhig abge- 
wogenen Figuren Tullios. 
Die Figur Christi erinnert mich an ein anderes Werk der Holzskulptur, 
einen Christus als Schmerzensmann in der Sammlung des Herrn Stefan von 
 
Abb. 12. Bernurdino da Bissone, Christus als Schmerzensmann (Äquileja, Basilika) 
Auspitz, der als deutsch erworben wurde, sicher aber venezianischen oder 
paduanischen Ursprunges ist (Abb. 11)." Abgesehen von der bei Mantegna 
und Giambellin so gerne wiederholten, auf Donatello """ zurückgehenden 
Darstellung des von zwei oder mehreren Engeln gestützten I-Ieilands, ist 
dessen Kopf in der Behandlung derart mit jenem des Christus auf dem 
Estensischen Relief verwandt, daß dadurch allein die oberitalienische Her- 
kunft dieses Stückes gesichert erscheint. Auch die beiden Engel mit den 
runden Gesichtern und den um die Hüften aufgerafften Röcken sind typisch 
paduanisch-venezianische Gestalten, wie sie auf dem Sportello im Santo vor- 
" Hübe: 1x46 Meter, Breite: 0x17 Meter. 
'"' Man vergleiche unsere Holzgruppe mit dem Sportello vom Santo-Altar, das, wenn auch nicht direkt 
von Donatello selbst, sicher von seinem engeren Schulkreis herstammt, oder mit dem Relief an der Außenseite 
der Gesuatikirche zu Venedig, das ebenfalls Christus als Schmerzensmann darstellt. (Paoletti, a. a. 0., 11.. 
Seite x96.) 
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