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Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 11 und 12)

bringt. Auch etwas Eigenwilliges kann nicht schaden, wenn es liebenswürdig 
auftritt. Je mehr Versuche ermöglicht werden, desto eher wird man das 
Richtige treffen. 
Gerade Wien durfte sich ja immer einer gewissen Anmut in seinen 
Schöpfungen rühmen; so können wir hoffen, daß es gelingen werde, Wien 
auf diesem Gebiete den gebührenden Platz wieder zu erobern. 
AUS DEM WIENER KUNSTLEBEN Sie VON 
HARTWIG FISCHEL-WIEN S0- 
KÜNSTLERHAUS. Für kurze Zeit waren im Wiener Künstlerhause fünf Gemälde 
von Fritz Zerritsch zu sehen, welche für die neue Fliegerkaserne in Wiener-Neustadt 
bestimmt sind, deren Anlage den Architekten Theiß (Theiß ä jaksch) zum Urheber hat. 
Für die sehr weitläufige, aus mehreren Gebäudegruppen bestehende Neuschöpfung - sie 
ist auch mit Rücksicht auf den besonderen Zweck ein Novum in Österreich - ist ein 
Repräsentationsraum, der Offizierspeisesaal (8-5 Meter X 16 Meter), vorgesehen. Eine 
schwarze Eichentäfelung mit ruhigen Gliederungen umschließt den Raum in ansehnlicher 
Höhe und ergibt über vier Türen und über dem Büfett Felder, welchen ein Schmuck durch 
Wandbilder zugedacht wurde. 
Fritz Zerritsch hat die Aufgabe in würdiger Art gelöst. Sowohl der Architekt als der 
Maler sind in ihrem Bestreben nach Einfachheit, Kraft und Würde ähnlichen Zielen 
zugestrebt und wenn ein abschließendes Urteil über das Gelingen der gemeinsamen Arbeit 
wohl erst nach Vollendung derselben abgegeben werden kann, so fühlt man doch aus den 
Entwürfen, die zur Schau gestellt waren, und den Bildern einen verwandten ernsten Sinn 
hervortreten. 
Das tüchtige Naturstudium, über das der Maler verfügt, war ihm bei der Bewältigung 
der vorwiegend dekorativen Aufgabe zugleich Stütze und Hemmnis. Er ist wohl zu einer 
großformigen, einfachen Umrißbildung, zu starken farbigen Kontrasten gelangt, bleibt aber 
doch jeder geometrischen Strenge, jeder Symmetrie in architektonischem Sinne und der 
vollkommenen Flächenhaftigkeit ferne. Er betont immer noch Luft und Raumwirkung 
und die naturalistische Tonskala. Damit hat er sich dem Verständnisse eines größeren 
Beschauerkreises angepaßt; den strengeren neuzeitlichen Forderungen nach Unterordnung 
unter das Gesetz der Fläche ist er nicht ganz nachgekommen. Er wird es vielleicht immer 
mehr tun, je häufiger ihm Gelegenheit zuWandbildern gegeben wird, denn schon in diesen 
Werken liegt ein Bemühen um kräftige, einfache Ausdrucksweise und Übersetzung der 
räumlichen Vorstellung in die Fläche. 
In diesen Arbeiten liegt ein Ringen der Künstler mit sich selbst und Streben nach 
höheren Zielen, die würdig und groß sind. Sie stehen damit auf fruchtbarerem Boden als 
die Vorführung, welche kurze Zeit später dieselben Wände zu füllen bestimmt wurde. 
Die l-lerbstausstellung der Wiener Künstlergenossenschaft unterscheidet sich in 
nichts Wesentlichem von ihren älteren Vorfahren. Dieselben Persönlichkeiten, die bisher 
das mondäne Porträt gepflegt haben, oder intime Ausschnitte aus dem alten Wien, aus den 
Donaustädtchen oder anderen Teilen Österreichs mit gleichmütiger Fertigkeit und Natur-' 
liebe brachten, sind wie in Friedenszeiten tätig und werden, mehr wie im Frieden, von 
einem kauflustigen Publikum gefördert. Wenn eine aus dem Kriegspressequartier gesandte 
Studie oder eine ganze Folge von solchen ausgestellt wurde, so spricht auch aus ihnen 
die konventionelle Naturschilderung, das Porträtieren der Natur. Der starke Atem einer 
neuen Zeit, neuer großer Erlebnisse, persönlicher, eigener Stellungnahme weht nicht in 
ihnen. Auch da, wo jüngere Kräfte in die Reihen der älteren Mitglieder treten, weist kein
	        

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