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Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 11 und 12)

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fertiger, sofort darüber ihm nebst den Kösten des Stuhls eine Belohnung von 
100 Iä: [Dukaten] bewilliget worden, die er aber nicht angenommen habeff 
Ferner sey es bekannt, daß Bittsteller noch zur Zeit, als dergleichen Mode- 
bänder [nach englischer und französischer Artff] aus dem Auslande ein- 
zuführen erlaubt war, mit den französischen in die Wette getretten ist, bey 
hiesigen I-Iandelsleuten mit dieser Waare den Vorzug vor der französischen 
erhalten hat, und sogar daß seine Waare schon vor 25 Jahren [also um 1770] 
für französisch verkauft worden ist. Da übrigens - wie es die Fabricken- 
insp ekzion melde _-Bittsteller als der Vater der sogenannten Modebandwaaren- 
manufaktur anzusehen wäre: so erachte ihn auch die Regierung um dieselbe der- 
gestalt verdient, daß er mit einem goldenen Ehrenpfennig belohnetwerden dürfte. ' ' 
Die Fabrikeninspektion rechnet es ihm ferner als Verdienst an, wenn die 
Erzeugung der genannten Arbeiten damals (1795) bereits auf 2000 Stühlen 
betrieben würde, da er eben zur Ausbildung geeigneter Kräfte am meisten 
gewirkt habe. 
Auf der Außenseite des Majestäts gesuches heißt es auch, daß er durch 
vierzig Jahre auf hiesigem Platz Zeichnung und Erfindung vieler Tausend 
neuer fassionirter reicheggeflammter und schattirterBänder verfertigt habef" 
Merkwürdigerweise fand man zunächst Bedenken, diesem verdienten 
Manne den erbetenen und von der Regierung vorgeschlagenen „Ehren- 
pfennig" zu verleihen, da er im Vergleiche zu andern damit begnadeten 
doch nur wenige Personen beschäftige und einen verhältnismäßig geringen 
Umsatz, außerdem auch schon einmal roo Dukaten erhalten haben? 
Erst zu Beginn des Jahres 1797 erfahren wir, daß der Kaiser auf ein neuer- 
liches Gesuch Rusches hin, weil dieser sich „wirklich vorzügliche Verdienste 
um das Manufactur-Wesen erworben ha ", eine goldene Gnaden-Medaille von 
der größeren Gattung an einem Bande zu bewilligen geruhet habe. 
Aus dem zugehörigen Regierungsberichte des Jahres x7g7 tragen wir 
noch nach, daß in der, durch Rusches Tätigkeit geweckten, Industrie damals 
i" Im Gesuch Rusches selbst heißt es: „Zweitens hat derselbe mit dieser seiner Fabricatur unter der 
Regierung des allergnädigsten Monarchen Franz des Ersten höchst dem Zufriedenheit erlangt, indem er in 
Gegenwart des Herrn Engen Grafen von Wilrmh als Untersuchungs-Commissair der lnnliindischen Fahbricken 
just, reiche schwere fassionirte Bänder machte, ohne Beyhilf einer zweiten Persohn lzdie die Figuren ziehetzi 
verfertiget, worüber Herr Graf Würmb zu dem Bittsteller äußerte ob er nicht auch im Stande wäre prosierte 
[brosehierte] Zeug zu machen, ohne einer zten Persohn, und er vollzog es auch. 
Drittens, hat seinem gemachten Anerbieten Sr. Majestät des gnädigsten Monarchen Franz des ersten, 
dann des Herrn Grafen Engen von Würrnb, des Herrn Baron Reischach und des noch lebenden Zeichenmeisters 
Zeiß noch zweyer Fabrikanten, einen blumten Zeug ohne Beyhilf einer zweiten Person gleichwie die Bänder 
selbst eingerichtet und gearbeitet. was noch niemal einer im Stande war, zu machen, und vor die erste Ellen 
eine allergnädigste Belohnung von Sr. Majestät mit Hundert Ducatert empfangen. 
Viertens, hat er durch diese seine Fahrikstur vielen Tausend Menschen einen Verdienst verschaffet . . ." 
1'" So in dem noch zu erwähnenden zweiten Gesuche aus dem Jahre 1796. 
"N In dem späteren Gesuche vom 30. September 1796 Findet sich als siebenter Punkt: „Endlich wurde 
demselben (Rusche), als er eine Art Mustirung in Schattirung und Streifen erfunden, vermög welcher er ohne 
Beihilf eines anderen Künstler jedem Besteller in wenigTagen Musters nach hundert vorzulegen im Stande ist, und 
wodurch jeder zu grossen Bestellungen angeeifert wurde, von St. Höchstseeligen Majestät durch den Hr. Grafen v. 
Huckart roo + zu seiner Belohnung dargereichet. welche er aus Patriotismus nicht angenommen hat." 
1- Die Verglichenen sind der „Inhaber der orientalischen Komposition:galanteriewaarenfabrik v. Eisen- 
berg", der die Auszeichnung im Jahre 1786, und der Seidenzeugfabrikant Martin Jonas, der sie im Jahre 1793 
empfangen hatte.
	        

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