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Volltext: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 11 und 12)

setzen; Allein ich konnte auf die Frage, ob die Wiener Band-Fabrique 
sehr beschäftigt sey? keine andere Antwort erhalten, als das Hr. Baron 
Fries sich anfänglich in diesem Geschäft angenommen, solches aber ver- 
lassen hätte, als er gesehen, daß es keinen rechten Fortgang gewinnen 
wollte. 
Ich gabe ihm Buxdorjf hierauf meine Verwunderung geflissentlich zu 
erkennen, und sagte, daß drey Sachen zu denen Band-Fabriquen erforderlich 
wären, nämlich Menschen, Seiden und Würkstühle, an Ersteren fehle es 
nicht, und daß es keine Kunst sey, zeugten die Baßler Bauern und Kinder, 
welche großen Theils von dem Band-machen leben; An Seiden aus 
den Kays. Königl. Städten in Italien wäre auch kein Mangel; und die 
Würk-Stühle könne man nach erforderlicher Anzahl verfertigen lassen; 
Er ,gestunde solches, hat aber übrigens eine solche Verschwiegenheit 
gegen mich Verspüren lassen, dass er mir nicht einmal den Namen 
des Wienerischen Handelsmann, an welchen er angewiesen Ware, . . . . 
entdeckt hatte. 
. . . . So scheinet mir jedoch, daß weilen dieser schon in der Fremd 
gewesene, allhier ansäßige, und verheurathete bey der Tourneisischen Band- 
Fabrique associrfe und dermalige Rathsherr Buxdorf einen Theil der Erb- 
landen durchreiset, solches nicht ohne Ursachen beschehen seyn müsse; 
Gewiss ist, daß die zu Wien errichtete Band-Fabrique denen hiesigen Fabri- 
quanten ungemein zu Herzen gehet, und der Verlust ihres obwohlen noch 
nicht ganz aufgehörten dahinigen Verschleißes für dieselben um so mehr 
empfindlich ist, als solcher eine fast unglaubliche Menge Gelder aus den 
Erblanden anhero muß gezogen haben, und zum Beweiß dienen mag, wie 
diese Fabricanten allein sich dergestalten bereichet, daß einige nur von 
dem Überfiuß ihres Vermögens Wohnungs-Gebäude zu I. z. 3. 4 bis 
5oo.ooo Gulden Werth aufgeführt haben, dermalen aber der Verkauf nach 
denen Kays. Königl. Erblanden eingeschränket worden, und in Frankreich, 
weilen sie an der Güte der Seiden, und Mode-Veränderungen nicht bey- 
kommen, nicht Viel geachtet werden. 
Bey dieser Gelegenheit erlauben Euer Exc. gnädigst einen Vieleicht 
geringen, jedoch aber meinem allerunterthänigsten diensteifer angemässenen 
Gedanken gehorsamst beyrucken zu dürfen; Ob nämlich, nachdem bekannt, 
dass die so genannte Schweitzer-Band, sowie alle schweizerische Seiden- 
Zeuge nicht um der Güte-Willen, sondern des wohlfeylen Preises-halber, 
Abgang finden, und sonderlich im Reich nicht Viel geachtet werden, der 
Wienerischen Band-Fabrique nicht zum besseren Ruhm, Beglaubigung, und 
Vorzug gereichen würde, eher unter diesem, als dem Namen einer Schweitzer- 
Band-Fabrique in Wien, bekannt zu seyn; Worzu noch kommt, daß, wann 
die Bänder von dieser in auswärtigen Landen für unächte Waar angesehen 
werden sollten, diesselbe als Wiener-Gut betrachtet, und falls solche für 
wohlgearbeitet gehalten würden, die Ausländer dieselbe aus der Schweitz 
selbsten, als dem Land, woher die Wiener Fabricanten [Kaenel u. s. w.]
	        

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