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Volltext: Monatszeitschrift II (1899 / Heft 8)

hier beigegebenen Drucke nach Calbet zeigen, wie elegant er die 
delicate Glätte weiblicher Körperformen wiederzugeben versteht, wie 
das Nackte zart, weich und lebendig zugleich, in feinsten Nuancen 
zum Ausdruck kommt, wie ihm der harte Glanz einer Medaille nicht 
weniger gelingt als der flockige Duft eines lockeren Frauenhaares, 
der frische Hauch des frühen Morgens auf dem Wasser so gut wie 
der Nebel eines von Cigarrenwölkchen erfüllten Raumes, die harten 
Licht- und Schattencontraste des Südens nicht minder wie das 
Blättergewirr eines Waldgestrüppes oder die ausdrucksvolle Mannig- 
faltigkeit eines männlichen Charakterkopfes. Wer diese wenigen Proben 
vergleicht, muss staunen, welche Fülle von Mitteln und Wirkungen ihm 
zu Gebote stehen. Von Eintönigkeit der Mache keine Spur. Solches 
Nachfühlen gelingt ihm nur, weil er nicht allein die Qualitäten seines 
Originales mit ungewöhnlicher Intelligenz aufzufassen und zu zer- 
gliedern versteht, sondern es auch nie unterlässt, immer wieder selbst- 
ständig nach der Natur zu zeichnen. Das allein bewahrt ihn vor Manier 
und schärft das Auge für die künstlerischen Vorzüge von Vorlagen 
verschiedenster Herkunft. Auf glücklichste Weise verbindet sich bei ihm 
raffinirte Technik mit rein künstlerischerVertiefung, und führt ihn jenem 
Ziel entgegen, das wir eingangs als das des Holzschnittes der Zukunft 
bezeichnet haben: Originalität innerhalb der technischen Grenzen. 
ACH dem Zweck einer Sache zu fragen, 
die dem Menschen so nothwendig, so 
unentbehrlich ist wie die Kunst, könnte 
müssig erscheinen. Und doch ist es eine 
Thatsache, dass jeder, den man danach 
fragt, eine andere Ansicht darüber hat, 
eine andere Antwort bereit hält. Es wäre 
 der Mühe wert, dies einmal durch eine 
Umfrage festzustellen. Man würde dabei 
finden, dass die Antwort stets aufs engste 
mit dem Beruf, dem Bildungsgrade, der 
Weltanschauung des Befragten zusammenhängt. Der Materialist wird 
den Zweck der Kunst in etwas ganz anderem sehen als der Idealist, 
der Künstler in etwas ganz anderem als der Gelehrte, der religiöse 
Dogmatiker in etwas ganz anderem als der Naturforscher oder der 
Socialpolitiker. Und jeder wird behaupten, er hätte Recht, der Zweck, 

	        

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