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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 12)

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DasMerkwiir- 
digste ist nun, 
daß der verwen- 
dete Goldfaden 
aus gesponne- 
nern vergoldeten 
Papiere besteht, 
einem Materiale, 
das unseres 
Wissens wohl die 
wichtigste Gold- 
sorte Ostasiens 
ist, in Europa 
aber nie erzeugt 
und wohl nicht 
oder nur selten 
verwendet wor- 
den istf" Es hätte 
dies in jener Zeit 
allenfalls in Hol- 
land mit einge- 
führtem Material 
der Fall sein kön- 
nen, obgleich 
Holland, wie ge- 
sagt, damals ge- 
radekeinebeson- 
dere Rolle in der 
Weberei spielt; 
doch ist uns über 
eine solche Ein- 
fuhr nicht nur 
nichts überlie- 
fert, sondern eine 
Erwähnung Sa- 
varys kann geradezu als Gegenbeweis angesehen werden. Er spricht von 
den chinesischen Stoffen und bemerkt dazu: „Il y en a meine dont Yor 
Seidenstoft, dunkelblauer Grund mit verschiedenen grünen Tönen und glattem 
Papiergolde. 15'; der natürlichen Größe 
i Ich vermutete seinerzeit („Künstlerische Entwicklung der Weberei und Stickerei . N, S. m4), daß dies 
im XIII. und XIV. Jahrhunderte, als der ostasiatische Einliuß in der sarazenischen Kunst am größten war, der 
Fall gewesen wäre. Der schon erwähnte Stoff (Tafel x04 a.) spräche dafür, könnte aber auch geradezu ost- 
asiatisch sein; dies gilt auch von dern dort (S. x04, Anm. 2) erwähnten, von Karabacek besprochenen, Stoffe, 
bei dem bezeichnenderweise von "chinesischen Drachen" die Rede ist. - Für die genaue mikroskopische und 
chemische Untersuchung des Goldiadens in den oben genannten Geweben bin ich Herrn Ingenieur Ludwig Utz, 
Direktor der k. k. Fachschule für Textilindustrie in Wien, zu großem Danke verpflichtet. Nach ihm besteht der 
Goldfaden zur Umwindung des Seelenfadens unstreitig aus Papier. dieser selbst ist Seide, aller Wahrschein- 
lichkeit nach ostasiatischen Ursprunges.
	        

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