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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 12)

Von den beiden 
Spielarten, dem Stab- 
fächer, der ohne Stoß- 
bespannung ist, und 
dem Faltfächer, der 
den oberen Teil seines 
Gestelles, das Fächer- 
blatt, mit Seide, Perga- 
rnent oder Papier über- 
zieht, ist die letztere 
in der Überzahl. 
Dafür zeigen die 
wenigen Stabfacher 
aber bestechende Ge- 
schmacksqualität. Man 
iindet unter ihnen gute 
Beispiele jener be- 
rühmten Vernis Mar- 
tin-Fächer. Sie sind aus 
Elfenbein, in Gouache 
bemalt und mit einem 
glänzendemdurchsich- 
tigen Firnis überzogen, 
den der Wagen- und 
Sänftenfabrikant Mar- 
tin erfand und der sei- 
nen Namen trägt. Die- 
ser Lack, der dem 
japanischen sehr nahe 
kommt, verleiht der 
unter ihm liegenden 
Malerei etwas Wei- 
ches, Schwimmendes. 
Die meist hellgriinen 
Flächen leuchten wie 
Email. Den Stoff der 
Klausurarbeit von Andrea Frossombone (k. k. Stnatsgewerbeschule in Triest) malerischen Darstel" 
lung auf den hier aus- 
gestellten Fächern geben Moliere-Szenen nach der Neigung der Zeit, den Fächer mit den 
Zeichen literarischer, theatralischer Moden und Liebhabereien, mit Gozzi- und Goldoni- 
Figurinen, mit Figaro-Motiven, mit Opernreminiszenzen Gretrys - Richard cteur de lion 
und Nina zum Beispiele - zu dekorieren. 
Ein paar andere Stabfacher sind aus den Anfängen des XIX. Jahrhunderts; sie haben 
das im Empire maßgebend gewordene winzige Format und ihre künstlerische Ausbildung 
besteht in einer hauehzarten, an Spitzenspinnwebmusterung erinnernden Aussägearbeit 
von bewunderungswürdiger Vollendung. Die Elfenbein-Filigranwerke haben ein besonderes 
ornamentales Hauptstück in dem Mitteloval, das in der Kursivschrift der Zeit Relief-Initialen 
trägt. Ein dritter Stabfacher dieser Epoche ist aus Horn und hat als Mittelmedaillonzierat 
einen Blumenkorb in gravierter und goldausgefüllter Zeichnung. Hohen Geschmackswert 
stellen diese Stücke dar. Aber die fruchtbarere Kulturausbeute kommt doch aus den Fächern 
mit Bespannung, auf deren Blättern sich in Malerei alle Stilmanieren und Variationen des 
Jahrhunderts verewigen.
	        

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