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Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 12)

Eine sehr charakteristische Probe dafür zeigt ein „Assignaten"-Fächer, der in der 
Art von Vexierblättern eine aus jenen Anweisungsscheinen „auf die Güte der Nation" 
zusammengeklebte Fläche zeigt. 
Diese Flugblattfächer bilden ein originelles Bilderbuch der aufgewühlten Zeit. Sie 
haben eine Spezialsammlerin in Lady Charlotte Schreiber gefunden, die ihr Material auch 
anschaulich reproduzierte. In ihrem Werke sieht man die Ereignisse im Epigramm des 
Fächerbildes. 
Zum Beispiel in Hogarthscher Manier eine allegorisch-ironische Darstellung der 
„liipoque fatale 1776-78", also des nordamerikanischen Freiheitskrieges, den Frankreich 
ja unterstützte, auf einem anderen eine Seeschlacht zwischen England und Frankreich mit 
Devisen links und rechts und der Pointe: ils jettent leur poudre au moineau. 
Dann die Notabelnversammlung vom 22. Februar 1787 mit einer Randleiste aus den 
Noten der Figaro-Arie umzogen. 
Les trois etats erscheinen in Medaillons und darauf folgt Yheureuse Union des 
trois etats. 
Ein Spektakeltableau errichtet dann der Bastillenfächer. 
„La belle journee pour toutes les familles" wird hier in einem Kolportagestil der 
Schaubude geschildert. Die Personen und die Häuser auf dem Tableau tragen Nummern 
und werden am Rande erklärt und genannt. Formal witzig in der Komposition ist ein 
anderer Bastillenfächer, der als Mittelfeld den massigen Gebäudekomplex des Gefängnisses 
s etzt und in die abfallenden Seitenfelder vergitterte Fenster wie ironische Ornamente 
wie Parodien des Rokokogitterwerks. 
Egalite, Liberte, Fraternite' landen natürlich auch auf den Fächern und Mirabeau- 
Medaillen trifft man. _ 
Gefügig dreht sich der Fächer dann nach dem neuen Wind, er gesellt Bonaparte 
mit der Republique als glückliches Paar und dekoriert den Schauplatz mit einer Karte der 
Siege und einer Pyramide, auf die ein Genius die Namen der Generale schreibt. 
Bis schließlich der Napoleon-Fächer mit Lorbeerkranz und Genien das Empire 
verkündet. 
In engen Zusammenhang mit solchen Flugblattfächern gehören auch die politisch- 
geographischen Fächer, die zum Beispiel den Plan des Kanals von Nicaragua mit 
erklärendern Text vorlegen, oder eine Karte von Gibraltar mit Kommentar der numerierten 
Befestigungswerke. 
Es fehlen in der historischen Abteilung unserer Ausstellung auch die Zeichen Ost- 
asiens nicht. Ein bewunderungswürdiges Stück chinesischer Kunst ist ein Elfenbeiniächer, 
dessen Deckblattstangen schmale Figuren und lebenerfullte Reliefs aus Elfenbein tragen. 
Außerdem ist dieses Stück noch bemerkenswert durch die abgestufte Größenanordnung 
der Stäbe. 
japan, das seine Fächergestelle in phantasievollsten Techniken mit Cloisonne, Lack- 
schnitzerei, Email, Inkrustationen, Niello, farbigen Metallegierungen ausbildet, wird 
hier nicht durch solche Kostbarkeit vertreten, sondern durch eine kulturelle Merkwürdigkeit. 
Man sieht nämlich jene Fächer, die in der Samurai-Zeit, in der noch nicht lange zurück- 
liegenden Zeit der Panzer und der Rüstungen, als Marschallstab der Feldherren dienten 
und die sich aus eisernen Stäben fügten, überspannt von einem einfarbigen Blatt mit 
einem blutroten Ball als Dekor. 
Die Geschichte des Fächers erfährt im XIX. Jahrhundert eine lange Unterbrechung. 
In Frankreich verliert der Fächer im Empire seine Traditionsgunst. Das zweite Kaiserreich 
erst brachte ihn wieder zu Ansehen. Und auch in Deutschland war es das Kaiserreich, das 
eine neue Fächerrenaissance brachte. Die Fächer der Siebziger- und Achtzigerjahre aber, 
die man in dem illustrierten Werk der Karlsruher Fächerausstellung abgebildet sieht, 
waren selten künstlerische Bildungen. Meist diente das Fächerblatt nur als Vorwand für 
das malerische Autogramm einer Berühmtheit. Die Darstellung war nicht für die Fächer-
	        

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