MAK

Volltext: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 12)

die ganzen außer- 
ordentlichen Er- 
rungenschaften der 
nach den Mongolen 
stürmen unter den 
Ming-Kaisern neu- 
erstarkten chinesi- 
schen Kultur auch 
auf diesem Gebiete 
übernehmen, jener 
glänzenden Ent- 
wicklung des ost- 
asiatischenGeistes, 
die wir als „chinesi- 
Seidenstoif, lila und weiß auf gelbem Grunde. Etwas verkleinert sehe Renaissance" 
 
zu bezeichnen pflegen. Unter dem Namen Kara-ori-nishiki versteht man im 
besonderen Brokate in der chinesischen Kunstweise der Ming. Gegen 1592 
begann man die Nachahmung einer chinesischen Stoffart Kinran, die 
besonders für Frauengürtel beliebt wurde und heute noch vielfach 
gebraucht wird. 
Über der Nachahmung verlor man aber nicht alle Selbständigkeit; ein 
gewisser Itchii-hayato, der bei einem Chinesen gelernt hatte, und andere 
wußten mit der vollendeten chinesischen Technik eine eigentümlich japanische 
Formensprache zu vereinigen. Die Art Rinzon, in Ming-Webeart mit japa- 
nischen Mustern, übertriiTt nach Hayashi die chinesische Arbeit; ob bei 
diesem Urteile persönliche oder nationale Auffassung mitsprechen, vermögen 
wir natürlich nicht zu entscheiden. 
Man wird es auch begreiflich finden, daß es für uns heute - aber viel- 
leicht nicht nur für uns _ geradezu unmöglich ist, bei jedem Stoffe sicher 
zu sagen, ob er chinesischer oder japanischer Herkunft ist; es wird sogar, 
besonders bei älteren Arbeiten, nur in wenigen Fällen möglich sein. Auch 
das, zum Beispiel auch von Hayashi, für japanische Erzeugnisse angegebene 
Kennzeichen, daß der Faden flockiger, weniger gedreht und das ganze Ge- 
webe ein weniger straff wirkendes ist, kann kaum als untrüglich geltend: 
Um 1650 wird in Japan der erste Samt, gleichfalls in Nachahmung der 
chinesischen Fertigkeit hergestellt; er soll nach Hayashi ebenfalls dem 
chinesischen Erzeugnisse überlegen gewesen sein. Wir müssen hiezu jedoch 
sogleich bemerken, daß dies Lob nicht allzu groß ist; denn der Samt ist keines- 
wegs die stärkste Seite der chinesischen Textilkunst und stand, wenigstens 
nach Savarys Urteil," dem europäischen weit nach. 
"' Bei Savary, „Dictionnaire universal de commerce" (Kopenhagen 1759-1765), heißt es „ . . . les soies 
du Japan sont en gäneral assez grossieres, et l'on n'en peut fabriquer que des etolTes communes". Das gilt so 
natürlich nur für den europäischen Standpunkt der späteren Zeit; ist aber immerhin bemerkenswert. 
4' „Dictionnaire universel de commerce" (Kopenhagen 1759-1765), IV., Spalte 113g.
	        

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