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fullscreen: Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 7 und 8)

Romulus und Remus werden von der kapitolinischen 
Wölfin gesäugt. Zeitgenössische Wiederholung des Ori- 
ginals von P. P. Rubens im Kapitol in Rom. Darunter 
holländische Lacklruhe mil ostasiatischem Dekor. Die 
reiche barocke Ambiente dieser Zeit ist hier deutlich 
spürbar. 
niederländischen Anregungen im einzelnen das spätbaroeke de- 
korative Stilleben geschaffen worden. Der Kreis der Neapolitani- 
sehen Stillebenmaler wie Porpora, Ruoppalo, Malinconieo und 
die Leistungen Giordanos auf diesem Gebiet haben den beschrie- 
benen neuen Typus des Ausstattungsstückes hervorgebracht. In 
Rom haben aus dem Norden stammende Maler, wie eben Tamm 
und sein Landsmann, der gleichaltrige Christian Berentz die nob- 
lere, römische Abart dieses dekorativen Ausstattungsstüekcs oft 
in Mitarbeit mit Meistern des römischen Spätharoeks, wie z. B. 
Maratta, der die Figuren einfügte, entwickelt. 
Mit Tamm ist der neue Typus nach Österreich gekommen. Seine 
Arbeiten, unter denen die Exemplare im Schwarzenbergpalais 
zum Besten gehören, können als Beispiele einer allgemein euro- 
päischen Stufe der Stillebenmalerei bezeichnet werden, die in den 
Niederlanden, wie besonders in Frankreich zur Zeit Lud- 
wigs XIV. und in Italien die letzte Möglichkeit der innenarchitek- 
toniseh gebundenen Stillebenmalerei darstellen. 
Die Betrachtung der Bildersammlung im Palais Sehwarzenberg 
ist mit den beiden hochinteressanten Ensembles der Galerie- 
Arehitektur und der dekorativen Ausstattungsstüeke, die den 
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Geschmack der Zeit Karls VI. dem heutigen Besucher klar vor 
Augen führen, nicht erschöpft. Zwei hervorragende Werke der 
Malerei sind als Einzelstücke zu würdigen: Der Raub des Gany- 
med von Peter Paul Rubens und das Männerporträt von Anto- 
nello da Messina. „Ganymed" ist eines der schönsten Bilder, die 
Rubens nach einem klassischen Thema zu einer Zeit gemalt 
hat, in der er sich mit der klassischen Kunst und Literatur eif- 
rig befaßte, in der Zeit seines Aufenthaltes in Italien und den 
kurz darauf folgenden jahren. Das Werk zeigt besonders eine 
Seite der Arbeit, dic Rubens in Auseinandersetzung mit den 
herrschenden Richtungen in Rom geleistet hat: gemäß der Be- 
schäftigung mit der klassischen Kunst die Annäherung an Anni- 
bale Carraccis römische Werke. Die Idealität des Aktes des 
Ganymed ist ein Ergebnis des Studiums der antiken Kunstwerke, 
wie es uns für Rubens durch seine Zeichnungen nach klassischen 
Werken verbürgt ist. Darüber hinaus ist die Anregung von 
Carraeci gerade in diesem Werk besonders deutlich. Mit der 
Übernahme des Motivs des Körpers des Ganymed, macht sich 
Rubens auch dic Prinzipien Annihales, der Gestaltung des 
menschlichen Körpers im Raum, zu eigen. Die eigene nieder-
	        

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