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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 4)

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an Orchideen und Kolibrigeiieder er- 
innernd und an die Schalen von Blut- 
orangen. Dabei läßt sich von der „Lan- 
castrian"-Töpferei sagen, daß ihr 
künstlerischer Wert nur von der rich- 
tigen Behandlung des echten Töpfer- 
materials abhängt - von der Behand- 
lung des Lehms und der Glasur bei 
großer Hitze. Von den sogenannten 
„klassischen" Formen, die bei den 
älteren Töpfern so beliebt waren, weil 
sie die größtmögliche Oberfläche zur 
Bemalung und Vergoldung boten, wol- 
len die Brüder Burton nichts wissen. 
Ihre Formen sind von strenger Ein- 
fachheit und jeder Verschnörkelung 
bar - ohne gequälte Griffe und mo- 
dellierte Zutaten und ohne dem Wesen 
des Materials schlecht angepaßte Be- 
malung. Wer je einen Töpfer bei der 
Arbeit beobachtet hat, wird sofort an 
diesen Stücken erkennen, daß sie direkt 
aus der Lehmmasse von der Hand des 
Töpfers geschaffen sind. Die breiten 
und doch feinen Linien, die würde- 
vollen, sinngerechten Verhältnisse, die 
sich so natürlich aus der auf die Dreh- 
scheibe geworfenen Masse zu bilden 
scheinen, offenbaren sich sofort dem Eingeweihten. Doch liegt der Haupt- 
wert der modernen keramischen Produkte als Dekorationsobjekte in der 
Farbe, der Textur und der Qualität der Glasur. Und darin haben die Brüder 
Burton für die Firma Pilkingtons Enormes geleistet. Es lassen sich in dieser 
Hinsicht ihre Arbeiten in vier Gruppen teilen: Kristall-, Opal-, Textur- und 
Wechselglasuren. 
Die Erzeugung von Kristallglasuren hat seit ungefähr zehn Jahren der 
Tätigkeit wissenschaftlich vorgehender Töpfer in Europa und Amerika weiten 
Spielraum geboten. Sammler sind mit den Resultaten vertraut, die an dem 
harten Porzellan und Steingut von Kopenhagen, Sevres, Berlin und Röstrand 
erzielt wurden, wie auch mit den Kristallglasuren der Rookwood-Töpferei in 
Amerika. Pilkingtons haben neben all diesen Varietäten noch andere Kristall- 
glasuren erfunden, wie zum Beispiel die „Sonnensteinglasur", die ihren Namen 
von ihren schönen, goldig prismatischen Kristallen herleitet und in guter 
Beleuchtung dem „Sonnenstein", einer Art Aventurin ähnelt. In dieser Glasur 
lassen sich verschiedene Nuancen von Grün, Gelb undBraun herstellen, welche 
Ausstellung von GoldschrniedearbeiteninBreslau, 1905. 
Kelch von Hins Tramer aus Troppau (Kat. Nr. 737)
	        

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