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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 4)

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FLORENTINISCHE TERRAKÜTTABÜSTE. Vor einigen Wochen wurde 
bei Christie in London eine iiorentinische Terrakottabüste zum Preise von 
X5.5oo Kronen verkauft, eines der interessantesten Objekte, die während der gegen- 
wärtigen Saison zur Versteigerung kamen. Im Katalog iigurierte die Büste als ein Porträt 
des Niccolo Machiavelli, was aber den für die Beschreibung verantwortlichen Sach- 
verständigen nicht verhinderte, sie als Arbeit aus der Mitte des XV. Jahrhunderts fest- 
zustellen. Da die Büste einen ziemlich alten Mann darstellt und gewissen Anzeichen nach 
zu schließen von einer Totenmaske gebildet ist, da ferner Machiavelli erst im Jahre 1527 
starb, muß wohl eine der beiden sich widersprechenden kühnen Behauptungen fallen 
gelassen werden. Die Gesichtszüge des fein modellierten Kopfes ähneln wohl jenen des 
Historikers, doch weist der Stil der Büste auf eine frühere Zeit. Von größerer Wichtigkeit 
jedoch ist noch ein anderer Punkt, der entschieden der Machiavelli-Theorie widerspricht. 
Auf einer Seite ist das Haar kurz geschoren, so daB das linke Ohr vollständig bloßgelegt 
ist. Sachverständige glaubten, daß dies entweder eine Beschädigung des Originals sei oder 
daß, behufs Abgießens der Totenmaske, das Haar der Leiche an dieser Seite abgeschnitten 
wurde. Viel wahrscheinlicher aber ist es, daß die Locke, welche das rechte Ohr bedeckt. 
eine „Liebeslocke" ist. Es war eine mittelalterliche Sitte, seiner Herrin zu Ehren an einer 
Seite eine solche Locke wachsen zu lassen und sie mit einem Band in der Farbe der Dame 
zu versehen. Daß ein Mann von der Art Machiavellis zu solchem Liebestand nicht geneigt, 
steht wohl über allem Zweifel! Die schöne Terrakottabüste ward von dem Pariser Kunst- 
händler Seligmann erstanden. P. G. K. 
MITTEILUNGEN AUS DEM 
REICHISCHEN MUSEUM w 
K. 
K. 
ÖSTER- 
 ÜRATORIÜM. Seine k. und k. Apostolische Majestät haben mit Allen-höchster 
Entschließung vom 5. April d. j. dem Mitglieds des Kuratoriums des k. k. Öster- 
reichischen Museums und Kanzleidirektor des Oberstkämmereramtes Hofrate Wilhelm 
Freiherrn von Weckbecker das Komturkreuz des Franz joseph-Ordens mit dem Sterne 
allergnädigst zu verleihen geruht. 
IE SPITZEN- UND PORTRATAUSSTELLUNG wurde am 24. März 
nachmittags durch Ihre k. u. k. Hoheit Erzherzogin Maria Josefa erölTnet. 
Gleichzeitig wurde der Katalog der Ausstellung und ein Kaiserin Elisabeth-Album, 
3x Porträts weiland Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth enthaltend, ausgegeben. 
Die ausgestellten Porträts werden an anderer Stelle dieses Heftes besprochen. Über 
die Spitzenausstellung bringen wir in einem der nächsten Hefte einen ausführlichen reich- 
illustrierten Bericht. 
DIE WINTERAUSSTELLUNG IM K. K. ÖSTERREICHISCHEN 
MUSEUM soll Ende Oktober dieses Jahres eröffnet werden. Im Hinblick auf 
das geringe diesmal zur Verfügung stehende Raumausmaß kann nur eine beschränkte 
Ausstellerzahl zugelassen werden. 
PRACHTWERK ÜBER ALTORIENTALISCHE TEPPICHE. Im An- 
schlusse an das durch das k. k. Osterreichische Handelsmuseum im Jahre 1892 heraus- 
gegebene Werk „Orientalische Teppiche" publiziert das k. k. Österreichische Museum ein 
in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei hergestelltes Tafelwerk, welches die bedeutendsten 
seit der genannten Zeit aufgefundenen altorientalischen Teppiche in 25 farbigen Tafeln
	        

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