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Full text: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 2)

Wohngelassen. Tadellos ausgeführte Tonnengewölbe, oft von ansehnlicher 
Spannweite sind dabei nicht selten. Gewölbe über dem Terrainniveau 
kommen nirgends vor. Originell sind in den Kellern die vielfach gebräuch- 
lichen Drehgestelle: Senkrechte, drehbare Holzpfosten, an denen wagrecht 
vorstehende Arme als Träger für Stellbretter angebracht sind. Der „Käskeller" 
spielt natürlich in einem Lande, wo viel Milchwirtschaft ist, eine ganz hervor- 
ragende Rolle. Dem Aufsteigen der durch die „reif werdenden" Käse erzeugten 
Gase ist durch Lüftungsöffnungen hinlänglich vorgebeugt. 
Die Anordnung der über dem Erdboden befindlichen Teile des Hauses 
ist nun folgende (von Ost nach West): Wohnräume und Schlafkammem an 
der Ostfront des Hauses. Dahinter, die ganze Hausbreite einnehmend, oft 
abgeteilt in Vorplatz, Herdraum und Abspülküche ein durchgehender Raum, 
in dem gleichzeitig die Treppe ins Obergeschoß liegt. Auf halber Höhe der- 
selben eine geräumige Kammer, vom Treppenpodest oder der Treppe aus 
zugänglich. Weiter: Offene Durchfahrt von einer Längsfront zur andern, 
gepflastert, anschließend eine zweite verschließbare Durchfahrt, als Wagen- 
schuppen benützt, und endlich der Kuhstall (Mitte), rechts und oft auch links 
davon Ställe für Jungvieh, Pferde, Geflügel; darüber der Heuboden. Den 
Wohnräumen entlang nach der Sonnenseite hin vorgelagert ist die bereits 
erwähnte Vorhalle, der „Schopf", dessen Boden in der Höhe des gemauerten 
Unterbaues liegt. Er Findet seine Verlängerung in einer den Durchfahrten 
und Stallanlagen vorgelagerten, offenen, durch das vorspringende Dach 
geschützten I-Ialle. Der Schopf ermöglicht den Aufenthalt in frischer Luft auch 
bei Regenwetter, ist der Tummelplatz. der Kinder, die Arbeitsstätte der 
Frauen und Mädchen bei der Vornahme von Handarbeiten (Ausschneiden 
von Durchbrechungen des Fonds bei Rideaus und so weiter). Im Sommer 
schützt er vor der allzustarken Sonnenwirkung. Bei niedrigem Sonnenstand 
im Winter aber bildet er gegen den Lichteinfall kein Hindernis. Seine 
Verlängerung, die offene Halle vor den Ökonomieräumen, gestattet allerlei 
Arbeit und Hantierung der Männer. Das sind die rein praktischen Seiten 
der Anlage. Sie spricht aber auch stark mit bei der Erscheinung des Hauses 
durch die entstehende kräftige Schattenwirkung. Meist ist die vor der Durch- 
fahrt gelegene Öffnung höher als die seitlichen. Durch diese einfache, 
gleichzeitig zweckdienliche (die hochbeladenen Heuwagen fahren hier ein) 
Unterbrechung ist recht deutlich gezeigt, wie mit den einfachsten Mitteln 
kraftvolle Wirkung herbeigeführt werden kann. An schmückenden Einzel- 
heiten, wie sie zum Beispiel bei vielen Schweizer Holzhäusern in Erscheinung 
treten, ist bei diesen Bregenzer Wälderhäusern wenig verausgabt. Da und 
dort treten einfache Stichmuster, Rundbogenfriese oder schachbrettartige 
Verzierungen auf, indes spielen sie, wie gesagt, keine bedeutsame Rolle. 
Einzig die Pfosten der Halle zeigen hin und wieder einen Ansatz zu Basis- 
und Kapitellbildung, meist in ausgesprochenen Barockformen, indes sind die 
dekorativen Teile dieser einfachen Zierglieder nicht aus dem Vollholz heraus- 
gearbeitet, sondern auf dem vierkantigen Kern befestigt. An älteren Häusern
	        
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