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Full text: Monatszeitschrift X (1907 / Heft 2)

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
gleich moderne aufzustellen und dem lebenden Künstler dadurch 
die Möglichkeit zu bieten, von solchen Vergleichen zu lernen und 
die Stichhaltigkeit seiner Arbeit neben den alten zu prüfen. Beson- 
ders wichtig erscheint ihm eine solche Konfrontation bei den für 
den staatlichen Ankauf bestimmten Werken. 
Die Mehrzahl der übrigen Aufsätze beschäftigt sich mit alter 
Kunst. Furtwängler, Heinrich Bulle und Georg Habich steuerten 
Beiträge archäologischen Inhalts bei, von denen besonders derjenige 
Furtwänglers über die von ihm ausgegrabene prächtige Sphinx von 
Aegina durch die schwungvolle Begeisterung der Schilderung sym- 
pathisch wirkt. Bode bespricht vier Originalwiederholungen von 
glasierten Madonnenreliefs desLuca dellaRobbia, die nebeneinander 
abgebildet werden. Alle vier Reliefs variieren in kleinen Details von- 
einander und alle sind nach der mechanischen Reproduktion von 
der Hand des Künstlers überarbeitet worden, und zwar „am stärk- 
sten gerade in dem, was den Künstler bezeigt, in der Empfindung." 
Den Münchener Porträtmaler Johann Georg Edlinger (x74x bis 
x8x9), von dem die Jahrhundertausstellung nur sechs 
Werke bekannt machte, behandelt August Goldschmidt in 
einem reich illustrierten Aufsatz, der aus musealem, beson- 
ders aber aus privatem (Familien-)Besitz eine lange Liste 
von Werken des Meisters mitteilt. Edlinger gehört zu den 
vielen tüchtigen deutschen Porträtmalern jener Zeit, die 
bis vor kurzem - von den wenigen Großen wie Graff ab- 
gesehen - fast unbekannt waren und deren Entdeckung 
ein Verdienst Lichtwarks ist. 
Im Vorjahr publizierte Steinmann einen Aufsatz über 
die Flußgötter Michelangelos, dessen Lektüre Adolf Gott- 
schewski im Zusammenhang mit einer Notiz im Mediceer- 
inventar das Originaltonmodell Michelangelos zu einem 
Flußgott am Mediceergrab im Museum der Florentiner 
Akademie, sowie eine gleichzeitige Bronzereduktion des- 
selben im Museo Nazionale auffinden ließ. Er hat diese 
wertvolle und wichtige Entdeckung mit zahlreichen Ab- 
bildungen im vorliegenden Bande publiziert. Das Material, 
aus dem das Modell hergestellt ist, Modellierton mit ein- 
gemengter Scherwolle über einem mit Werg und Schnüren 
umgebenen Holzkern, ist von Vasari ausdrücklich als da- 
Standuhr, französisch, um 183a 
(K. k. Österreichisches Museum) 
mals usuell, auch bei Michel- 
angelo verwendet, bezeichnet. 
Ernst Bassermann-jordan weist den Perseusbrunnen im 
Grottenhof der Münchener Residenz dem Friedrich Sustris zu, 
der um r56o nach Florenz kam und die Anregung zu dem 
Werke dem X554 in der Loggia dei Lanzi ausgestellten Per- 
seus verdankte. 
Es sind uns literarisch so viele Studienreisen deutscher 
Maler nach Italien im Anfang des XVI. Jahrhunderts bekannt. 
Georg Gronau bringt hiezu eine wichtige Abbildung, ein Bild 
des Münchener Nationalmuseums, das eine Kopie der vier 
Humanisten Ghirlandajos ist und als Arbeit eines süddeutschen 
Malers um r 5 xo sich erweist. Merkwürdigerweise ist das Bild 
noch ein zweitesmal von einem Deutschen im XVLJahrhundert 
 
Brosche, französisch, Anfang des 
XIX. Jahrhunderts 
(K. k. Österreichisches Museum)
	        

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