MAK

Volltext: Monatszeitschrift XX (1917 / Heft 3, 4 und 5)

Vernichtung nun eine Hauptzierde des Nationalmuseums in Budapest sind. 
Sie bilden in ihrer klassischen Ruhe einen teilweisen Gegensatz zu den 
übrigen figürlichen Darstellungen, den Reliefs und auch der Esterhazy-Statue, 
in welcher die Auffassung des Barock viel mehr zum' Ausdruck kommt. 
Ihnen zu Füßen kauern zwei Putten aus gleichem Marmor, welche die 
Attribute des Patriarchen, Krone und Schlangenstab, in Händen halten. 
Den Sockel für diese Engelsfiguren bildet die aus rotem Marmor 
bestehende Predella, welche das freistehende Tabernakelgehäuse im Bogen 
umschließt und deren Eckpfeiler ebenso wie die der Fensterumrahmung, 
der Denkmalnische und der Pfeiler am Eingange schräg gestellt sind. Sie 
ist geziert mit sechs Reliefs aus vergoldeter Bronze," Szenen aus der 
Passion darstellend. Die beiden äußersten (I6 : 27 Zentimeter) sind, da sie nur 
wenig von der Wand der Nische entfernt sind, kaum sichtbar, daher auch 
nicht zu reproduzieren. Sie stellen die Geißelung, beziehungsweise die 
Dornenkrönung Christi dar. Von links nach rechts folgen dann: Christus 
am Ölberg (35 : 27 Zentimeter), Christus trägt das Kreuz (50 : 27 Zentimeter), 
die Kreuzerhöhung (50 : 27 Zentimeter), die Kreuzabnahme (35 : 27 Zenti- 
meter), lebensvolle Kompositionen von wunderbarer Feinheit. Die Figuren 
sind teils nur fiach, fast skizzenhaft behandelt, vor allem das Relief der 
Kreuztragung und die schlafendenjünger auf dem ersten Bilde; die Gestalten 
des Vordergrundes, besonders der Engel in der Ölbergszene und die den 
Leichnam Christi tragenden Männer, mit starker Betonung der Körperformen 
im kräftigen Hochrelief, das die kleinsten Details auf das sorgfältigste 
behandelt, herausgearbeitet. 
Das vollendetste Relief ist jedenfalls das des Tabernakels, das zu 
Donners bekanntesten und besten Werken gehört und von Ilgi" als eines 
der geistvollsten und formvollendetsten Werke des Jahrhunderts bezeichnet 
wird. Das freistehende, 1 Meter hohe Tabernakel ist aus lichtem, geflecktem 
Marmor. Seine Tür ist fiankiert von zwei auf schiefgestellten Sockeln auf- 
stehenden Säulen mit bronzenen, vergoldeten Kompositkapitälen. Eine 
Wolkendekoration aus Bronze über der Tür, geziert mit zwei sich küssen- 
den, lieblichen Puttenköpfchen und einem dritten Köpfchen unterhalb der- 
selben, bildet das Postament für die Aussetzung des Allerheiligsten. Auf 
dieser Wolkenbank knien, sich auf den kuppelförmigen Abschluß des 
Tabernakels stützend, zwei Putten aus Bronze, die als Leuchterträger 
dienen. Das auf der Kuppel des Tabernakels stehende Kruzifix ist, wenn 
auch barock, eine mindere Arbeit, die jedenfalls nichts mit Donner zu tun 
hat. Das Relief der Tür zeigt die von Donner wiederholt dargestellte 
Gruppe der Pietä. Eine signierte, fast ganz gleiche Wiederholung befindet 
sich in der Sammlung des Grafen Zichyfkikf ein drittes, ebenfalls nur wenig 
verschiedenes Stück ist in zwei Ausführungen vorhanden, in Terrakotta aus 
' Nicht zus am, wie 11g in der zitierten Festschrift (Seite n) angibt und A. Mayr "(Georg Rlphßßl 
Donner", Wien und Leipzig, Seite 20) wiederholt. 
""' llg, „Kunstgescbichtliche Charakterbilder aus Österreich-Ungarn", Seite 295. 
"i" Nr. E4 des Katalogs der Donner-Ausstellung von 1893.
	        

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