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Volltext: Monatszeitschrift XX (1917 / Heft 3, 4 und 5)

verwendetes Motiv ist auch auf dem Bilde dargestellt, der Engel, welcher 
die zurücksinkende Maria stützt. Gleich ist hier wie dort das die Hand 
Christi küssende Engelein, gleich ist das im Hintergrund aufragende, von 
Putten (allerdings in verschiedener Anordnung).umgebene Kreuz, gleich 
ist, daß auf beiden Darstellungen ein Putto unter dem linken Kreuzarm mit 
dem Zeigefinger aufs Kreuz hinweist. Die im Hintergrunde des Bildes dar- 
gestellte Stadt mit ihren Kuppeln ist auf Donners Relief nur durch eine 
Kuppel markiert. Dem Preßburger Relief überaus ähnlich ist eine Anzahl 
verwandter Darstellungen in Holz, Stein und Ton, die sich in verschiedenen 
Städten Oberösterreichs befinden und die H. Ubell" auf Johann Peter 
Schwanthaler den Älteren (1720 bis 1795) zurückführt. Ubell sagt darüber: 
„Alle diese Kompositionen weichen nur in geringen Einzelheiten von dem 
schönen Relief des Linzer Museums ab und erhalten ein besonderes Inter- 
esse dadurch, daß sie die alpenländisch volkstümliche Abwandlung" des 
Kompositionsschemas zeigen, welches dem Donnerschen Bleireliefw" in 
der Martinskirche in Preßburg und der herrlichen Pieta im Gurker Dom 
zugrunde liegt. Der Aufbau der Hauptgruppe im Dreieck . . ., die Lagerung 
des Leichnams Christi mit der breiten, frontal gestellten Brust und dem tot 
herabhängenden Arm, der von einem der beiden kleinen Engel zärtlich 
umfaßt wird - das alles entstammt dem Donnerschen Vorbild und zeigt an 
einem neuen Beispiel, wie groß der Einiiuß des größten österreichischen Pla- 
stikers auf die alpenländische Kunst des XVIII. Jahrhunderts gewesen ist." 
Die in ihrem mittleren Teile stark vortretende Mensa des Altars ist aus 
dem gleichen roten Marmor wie die Predella und der Sockel der Kapellen- 
wändexl- Die kräftigen Voluten an den Seiten des Altars sind aus grauem 
Marmor gebildet. Der Vorderteil ist mit einer reichen, zweiteiligen, in der 
Mitte von einer muschelartigen Verzierung gehaltenen, aus Blättern, ver- 
schiedenen Blüten und Knospen gebildeten Girlande aus Bronze geschmückt, 
die bis zu den geflügelten, schönen weiblichen Köpfen reicht, welche die 
Ecken zieren. Man kann diese Köpfe, welche man nicht gut als Engel 
ansprechen kann, da der vorhandene Ansatz des Leibes unterhalb der Brust 
in ein Federkleid übergeht, vielleicht als Sirenen deuten. 
Links und rechts vom Altar befinden sich an der abgeschrägten Wand 
des Nischenrandes zwei Konsolen für die Meßkännchen, als deren Träger 
geflügelte Puttenköpfe dienen, welche die ganze charakteristische Anmut 
zeigen, welche Donner in diese Kinderköpfchen legen konnte. 
' H. Ubell. „Ausgewählte Werke der Kleinplastik im Linzer Museum", „Kunst und Kunsthandwerk" 
1915, Seite 48g E. 
"W Besonders durch den einen in sein Saclnüchlein weinenden kleinen Engel charakteristisch. 
"" Soll richtig heißen: „Bronzerelieft 
i Es dürfte wahrscheinlich Marmor von Silttö oder Piszlre Alrnäs bei Grnn sein. Diese Steinbrüche. 
welche roten und grauen Marmor liefern, wie er in gleicher Beschatfenheit bei vielen Preßhurger Kirchenhauten 
der Barockzeit in Verwendung genommen wurde, befinden sich nahe der Donau in den Ausläufern des Pllis- 
gebirges, das mit dem gegenüberliegenden Neogrider Gebirge die malerische Visegrader Enge hildet. Der Stein- 
bruch von Siitxö, Eigentum des Primus Esterhäzy, war bekanntlich von diesem an Raphael Donner verpachtet 
worden.
	        

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