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Objekt: Alte und Moderne Kunst XXI (1976 / Heft 147)

A Künstlerprofile 
Egon Haug 
 
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Haug wurde 1923 in der Slowakei geboren, studierte 
in Prag, Wien und Paris und wohnt seit Jahr- 
zehnten in Wien, wo er 1954 in der Secession seine 
erste Ausstellung hatte. Wie die meisten Künstler 
hat auch Haug eine gewisse Zeit gebraucht, bis 
er seine ihm eigene Sprache gefunden hat. Nun 
scheint uns das in seinen seit etwa 1969 entstehenden 
Bildern gegeben. 
Haug ist ein Mensch, der außerordentlich stark 
mit der Natur verbunden ist. Der ein offenes Auge 
oder Herz („Man sieht nur mit dem Herzen gut") 
für die Wesenheilen einer Landschaft und ihrer 
Gegebenheit im Verhältnis zum Himmel, zum Licht, 
zur Jahreszeit hat. 
Haug fühlt ihr Bedrahtsein durch den Menschen 
und zeigt ihre Schönheit und Größe auf. Er macht 
das nicht in simpler Schönfärberei, in braver 
Lieblichkeit. Er weiß von der Großzügigkeit und 
Härte, von der Verschwendung und Rätselhaftigkeit 
der Natur. Aus diesem Wissen heraus sind auch 
seine großformatigen Bilder, meist Acryl auf 
Leinwand, zu verstehen. Auch in ihnen finden wir 
Großzügigkeit und Härte, Verschwendung und 
Rötselhaftigkeit. Oft sind die Farben auf den 
Flächen hart nebeneinandergesetzt, ein Rot zu 
einem Blau, wie es sich nur die Natur noch erlaubt. 
Großzügig weit ist die Leinwand von einer 
einmaligen, leicht variierten Farbe beherrscht, ein 
gerader Horizont mitten im Bild und darüber ein 
Himmel in ungewissen Farbnuancen, in dem 
kraftstrotzend gelbe Wolkenfetzen dominieren, die 
auch das darunter befindliche Land beherrschen. 
Nichts Kleinkoriertes, nichts Pitzliches! 
Es ist also keine Malerei mit aufgehobenem Zeige- 
finger: Seht, wie ihr die Natur verwüstet, wie 
ihr sie zerstört. Es ist keine kleinliche Fibel für 
Volksaufklärung: Wirf kein Papierl weg, die Groß- 
industrie rodet den letzten Auwald und ähnliches! 
Es ist ein Aufzeigen und Festhalten dieser letzten 
Reste einer noch halbwegs intakten Naturlandschaft. 
Es ist Zeugenschaft! Und es ist kein Zufall, daß 
diese Bilder immer wieder Landschaften im 
Marchfeld oder in abgelegenen Gebirgstälern zum 
Vorwurf haben. Landschaften, die noch Zeugnis 
von einem halbwegs ungestörten Verhältnis des 
Menschen zur Natur geben. 
Am ehesten ließe sich Haugs Sehen und-Gestalten 
mit ienem Van Goghs vergleichen. Freilich um 
etwa einhundert Jahre später und mit allen 
Erfahrungen, die auch in der bildenden Kunst in 
diesen hundert Jahren gemacht wurden: der 
Expressionismus, die abstrakte Malerei, Action- 
Painting. Es sind unter anderem also die 
Farberfahrungen eines Delaunay, eines Kirchner, 
eines Pollock. Ähnlich wie bei Van Gogh ist auch 
bei Haug das Erlebnis unmittelbar in das Bild 
umgesetzt, mit ebensolcher Leidenschaft und 
Eigenverantwortung, mit Dynamik und Fraglosigkeit. 
Wie die späteren Bilder des Holländers brauchen 
auch iene Haugs viel Abstand und den Willen 
zur Zusammenschau. Wer liebliche Landschaftsbilder 
sucht, wird enttäuscht sein. Hier ist eher eine 
wilde Kraft und Zähigkeit dokumentiert. 
Besonders deutlich wird auch die Verwandtschaft mit 
Van Gogh in der Graphik. Die vielen Bleistift- 
zeichnungen von Feldern, Wiesen, Auwinkeln, 
Berghängen, von einem Stück Land, das sonst 
von den meisten Menschen reizlos empfunden wird, 
sind mit sehr sicheren und immer bewegten, meist 
kurzen Strichen hingesetzt. Weite, Tiefe, wind- 
bewegte Kornfelder, sich im Frühling belaubende 
Sträucher, atles ist gegenwärtig. Allein diese 
Zeichnungen wurden eine ausführliche Ausein- 
andersetzung erfordern. Sie werden leider noch 
viel zuwenig beachtet. 
Alois Vogel 
1 Acker und braune Eichenbäume. 
Acrrl, 60 x 100 cm 
2 Vol mond. Acryl, 65 x 80 cm 
3 Mohnblumenfeld. Acryl, 105x115 cm 
4 Egon Haug
	        

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