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Volltext: Monatszeitschrift XX (1917 / Heft 3, 4 und 5)

Die für Bildnisreliefs unbestritten hervorragendste Kraft der Berliner 
Gießerei war der Tiroler Leonhard Posch, der ebenfalls gleichzeitig in der 
Berliner Porzellanmanufaktur wie in der Gießerei verwendet wurde und 
auch Perlmutterreliefs geschnitten hat. 
Posch, auf den zuerst Domanig hingewiesen hat, ist 1750 im Zillertal 
geboren worden, bildete sich in Wien zum Bildhauer aus, ging von hier 
nach Neapel und kam über Hamburg 1804 nach Berlin, wo er die ganze 
königliche Familie und alle Würdenträger für Schaumünzen porträtierte. 
Als Napoleon Berlin einnahm, ließ er sich und sein Gefolge ebenfalls von 
Posch darstellen. Auch Karl August von Weimar und seinen Dichterkreis 
Endet man 1807 in dieser Folge. Seit 1810 hat der Künstler in Paris gearbeitet, 
ist aber x8r4 nach Berlin zurückgekehrt, um 1827 nochmals nach Weimar 
berufen zu werden. Das Berliner königliche Münzkabinett besitzt eine ganze, 
gegen 700 Stück umfassende Sammlung dieser Arbeiten." Doch nur wenige 
sind in Erzguß bekannt. Die meisten scheinen nur in feinem Gips auf ge- 
färbtem Grunde abgegossen worden zu sein. Manche nun wurden von der 
königlichen Gießerei auch in Eisenguß hergestellt und halten sich erfolg- 
reich neben den größeren Arbeiten, die nach Rauchs und Schadows Modellen 
dort gegossen worden sind und neuerdings in einer Ausstellung des Berliner 
Kunstgewerbemuseums zu sehen waren." 
Unter den Ziseleuren der Berliner königlichen Gießhütte wird auch der 
Wiener Glanz genannt, von dem in der Berliner Ausstellung ein weibliches 
Bildnis und das Relief der Grablegung aus dem Jahre 1828 gezeigt wurden. 
In den Dreißigerjahren war dieser Gießhütte in Berlin selbst eine 
Nebenbuhlerschaft in einer Reihe von Privatunternehmungen erstanden, 
von denen sich vier mehr auf technisch-industriellem Gebiete, die sechs 
anderen aber auch im Kunstguß betätigten. So Devaranne, der selbst aus 
der königlichen Gießerei hervorgegangen war, dann G. Müller, Moritz Geiß, 
Mewes, Seebaß, Lehmann. 
„Müller BERLIN" ist eine kleine Gruppe aus Eisenguß, im Besitze des 
Erzherzog Rainer-Museums, bezeichnet. Sie stellt die anmutige Gestalt der 
„Jungfrau Lorenzen" dar, die in fein empfundener Bewegung auf einem 
Hirsch reitet (Höhe I3'5 Zentimeter, Länge 13 Zentimeter). Auch Müller 
war in der königlichen Gießerei beschäftigt gewesen, ehe er die eigene ein- 
richtete. 
Das Modell stammt von Christian Rauch, aus dem Jahre 1832. Es stellt 
jene sagenberühmte und dichterisch verklärte „Jungfrau Lorenzen von 
Tangermünde" dar, der, im Walde verirrt, auf ihr inbrünstiges Gebet ein 
Hirsch erscheint, der sich ihr zu Füßen legt und sie zurück auf den Markt von 
Tangermünde bringt. Die anmutige Gruppe ist zunächst wiederholt in Erz 
gegossen worden: 1833 für den König, x834 für die Kaiserin von Rußland, 
"' Menadier: "Leonhard Posch" (Amtliche Berichte aus den königlichen Kunstsammlungen, Berlin 190g, 
Seite 238). 
'" „Führer durch die Sonderausstellung von Kunsxgilssen deutscher Eisenhünen", mit einer geschicht- 
lichen Einleitung von Hermann Schmitz, Berlin 1916.
	        

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