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Volltext: Monatszeitschrift XX (1917 / Heft 6, 7 und 8)

 
Abb. 15. Zunftzeichen der Zimmerleute in 
Eger (Egerer Arbeit) 
In Karlsbad, St. Joachimsthal, Schlag- 
genwald, Schönfeld und Umgebung ist die 
Massenerzeugung des Tafelgeschirres zu 
suchen. Hier gelangte das Handwerk zu 
voller Entwicklung. Neben den Gebrauchs- 
gegenständen wurden auch Arbeiten von 
mehr oder weniger Kunstwert hergestellt. 
Besonders die Zinngießer von Karlsbad 
leisteten Hervorragendes. Hier hat sich das 
Handwerk bis zum heutigen Tag erhalten. 
In Eger waren wenig Zinngießer tätig, 
doch zeichneten sich diese durch schöne, 
geschmackvolle Arbeiten aus. Jedenfalls 
scheinen die hierortigen Zinngießer init 
den Nürnbergem in "regem Verkehr ge- 
standen zu sein, was die erhaltenen Arbeiten 
bezeugen, indem diese vielfach Nürnberger 
Formen aufweisen. 
In neuerer Zeit wurden hier alte Zinn- 
gegenstände graviert, auch gebuckelt und 
damit der Altertümermarkt überschwemmt. Diese Neugravierungen sind 
meistens ziemlich geschmacklos angeordnet. Immerhin gehört ein Kenner- 
auge dazu, diese Gegenstände von Originalen zu unterscheiden. Die 
 
Abb. 16. Zunftzeichen der Fleiscbhauer in Eger 
(Egerer Arbeit) 
wichtigsten Erkennungszeichen sind die 
scharfen Ränder der Gravierung und die 
künstliche Patina. Letztere zeigt meistens 
eine dichte grauschwarze Farbe, in der 
Gravierung ein tiefes Schwarz, während 
die Originale eine durchsichtige, blau- 
graue Patina haben. ' 
Vereinzelt finden wir Zinngießer in 
Asch, Plan und Mies. Hier haben wir 
es mit Zinngießern zu tun, welche in 
Schönfeld oder Karlsbad das Handwerk 
erlernt haben. Nennenswerte Arbeiten 
zeigen die Karlsbader Formen. 
In Westböhmen wären noch die 
Städte Bischofteinitz, Klattau, Rokitzan, 
Schüttenhofen und Pilsen zu nennen. Zu 
nennenswerter Entwicklung scheint das 
Handwerk nur in Pilsen gelangt zu sein. 
Neben den Gegenständen für die Zunft- 
stuben sind es hauptsächlich Tafelge- 
schirre, welche hier angefertigt wurden.
	        

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