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Volltext: Monatszeitschrift XX (1917 / Heft 6, 7 und 8)

aus den feinempfundenen Strichen, die so viel sagen - eben weil sie so sparsam hin- 
gesetzt sind. Einige Porträte lassen wohl die Schule Michaleks vermuten, ihre Landschaft 
aber ist ganz persönlich, vielsagend in ihrer Selbstbeschränkung, beredt in dem, was 
die Künstlerin zu verschweigen versteht, aber zu erraten zwingt. Man braucht nur die 
zahlreichen daneben ausgestellten Arbeiten von B. Lark-Korovitz anzusehen, um zum 
entgegengesetzten Urteil über eine andere Art und Weise zu gelangen. Detailliertes 
Zeichnen verbürgt zwar eine gewisse Sorgfalt, aber noch lange keine Selbständigkeit. 
Die modernen Hilfsmittel gestatten eine weitgehende Genauigkeit, welche von Kunst sehr 
weit entfernt bleiben kann. Dasselbe gilt von der Dekoration im kunstgewerblichen Sinne, 
bei welcher die unmittelbare Übertragung organischer Formen aus der Natur noch keinen 
organisch entwickelten Schmuck bedeutet. 
RBEITEN VON KRIEGSGEFANGENEN IN RUSSLAND. Eine kleine 
Kollektion von Gemälden, Zeichnungen und gewerblichen Arbeiten österreichisch- 
ungarischer und deutscher Kriegsgefangener, welche das Schicksal nach Rußland und in 
das fernere Sibirien verschlagen hat, ist durch besondere Umstände kurze Zeit in Wien 
zur öffentlichen Schaustellung gekommen. Ein Schwede, Dr. Gustav Hallström, hat als 
Begleiter von Liebesgabenzügen diese Zeugnisse künstlerischen Betätigungsdranges 
gesammelt. 
Sie spiegeln das Seelenleben und die Umgebung derjenigen wider, die unter oft so 
drückenden Verhältnissen die Spannkraft nicht verloren, ihrem Arbeitsdrang, ihrem Humor, 
ihrer Verzweiflung einen Ausdruck zu geben, der ihre Stimmungen ohne Worte und oft 
besser als Worte zeigt. Einiges erhob sich merklich über das Niveau dilettantischer Kunst- 
übung. 
Wenn Dr. W. Wadler Schmerz und Sehnsucht ausdrückt und dabei ganz dem 
jüngsten Expressionismus huldigt, so darf man wohl nicht glauben, daß das sibirische 
Gefangenenlager dieser Ausdrucksweise günstig war. Wenn andere wieder ihre Um- 
gebung schildern, teils naiv, teils mit einem subtilen Realismus, der auch das Stilleben 
nicht verschmäht, so findet man auch da vorherrschend das Weiterleben tief eingewurzelter 
Neigungen aus der Heimat; die Namen H. Musger, G. Schütt, L. Bohacek, Kiss Mihal, 
H. Urban seien unter den Malern, Geyling als Architekt genannt. Skizzenbücher lassen das 
Unversiegbare tief wurzelnden Humors erkennen und die rührend primitiven Hilfsmittel 
an Papier und Zeichenmaterial lassen die Schwierigkeiten ahnen, die zu überwinden waren, 
um nur die Arbeitsmöglichkeit zu sichern. 
Sicherlich hat die Unmittelbarkeit und Frische bei jenen gewonnen, denen nun jeder 
äußere Anhalt genommen war; und wenn einzelne die Sammlung fanden, dennoch ganz 
versenkt in ihrer Umgebung aufzugeben, so freut man sich der wohltätigen Wirkung dieser 
Selbstentäußerung und ist dankbar für die Ausschnitte aus dem dürftigen Milieu, aus der 
primitiven Lebensweise der Gefangenen, die uns so zu Miterlebenden ihres entbehrungs- 
reichen Schicksals machen. 
Es sind Grüße aus der Ferne, welche den Wert der Kultur als Schulung geistiger 
Kräfte erkennen lassen, die in der Not Seelenleiden zu lindern vermögen und der 
Dolmetsch von Gefühlen anderen gegenüber werden können, die ferne sind. 
Sie lassen zugleich auch den Wert und die Bedeutung zeichnerischer Ausdrucksweise 
fühlen, die ja nicht immer zu Kunstwerken von schöpferischer Kraft führen muß. Schon 
die Niederschrift des Geschauten hat als Mittel der Verständigung einen dauernden Wert, 
besonders dort, wo die Sprache versagt. 
NTON HLAVAÖEK. Als einer der letzten aus dem Kreise der Zimmermann- 
Schule steht Anton Hlavacek noch aufrecht und rüstig am Werke. Ribarz, Schindler, 
jettel sind verhältnismäßig früh aus dem Leben geschieden; sie haben von A. Zimmer- 
mann an der Wiener Akademie wohl die ersten krähigen Impulse erhalten, sind aber später
	        

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