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Volltext: Monatszeitschrift XX (1917 / Heft 6, 7 und 8)

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Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist. In diesem Sinne 
spielt die selbstgewählte, wenn auch scheinbar leblose Umgebung des Sammelgutes eine 
Rolle bei der Beurteilung einer Persönlichkeit. 
Der künstlerische Nachlaß Königs konnte nur darin bestärken, daß man Kenntnisse, 
Geschmack, feine Bildung und Empfindung als hervortretende Eigenschaften des Künstlers 
anerkennt und dem Verstorbenen nachrühmt. 
KLEINE NACHRICHTEN Sh 
ÜGÜST PETTENKQFENÄ: Das vorliegende, höchst umfangreiche und glän- 
zend ausgestattete Werk ist das fünfte in der Reihe der vom k. k. Ministerium für 
Kultus und Unterricht herausgegebenen Monographien über hervorragende österreichische 
Künstler, die der vollen Würdigung der Heimat, aber vor allem auch des Auslandes näher- 
gebracht werden sollen. Es darf gesagt werden, daß es dem vieljährigen unermüdlichen 
Fleiße Weixlgärtners und seiner beispiellosen Hingebung an die gestellte Aufgabe gelungen 
ist, alles beizubringen, was über Pettenkofen, diesen merkwürdigen, hochbegabten Mittler 
zwischen älterer und neuer Kunst Österreichs (der aber weit mehr als dies: ein durch und 
durch auf sich selbst gestellter Meister war), zu sagen ist oder in eine auch nur entfernte 
geistige und persönliche Beziehung zu ihm gebracht werden kann. Weixlgärtners Enthu- 
siasmus hat etwas so Ehrliches, Warmes, Natürliches, daß man sich ihm gerne hingibt 
und nicht ungeduldig wird, wie es einem bei ähnlichen übergründlichen Arbeiten wohl 
leicht geschehen kann. Wegen der Breite des Aufbaues seines Werkes und der Heran- 
ziehung vieler, wohl die Zeitgeschichte betreffender, aber mit der kunstgeschichtlichen 
und kunstkritischen Aufgabe des Buches nicht unmittelbar zusammenhängender Aus- 
führungen sind dem Verfasser mancherlei Vorwürfe gemacht worden. Gewiß ist Weixl- 
gärtner weit über die ihm gestellte Aufgabe hinausgegangen, das Werk hätte um vieles 
knapper gehalten sein können, ohne daß man die Gelehrsamkeit des Autors und seine 
Begeisterung für die Sache geringer eingeschätzt haben würde. Aber wenn es auch nicht 
streng historisch ist, sich so weit zu verlieren, so können wir doch begreifen, daß Weixl- 
gärtner, der sich so viele, allzu viele jahre mit seinem Gegenstande beschäftigt hat, alles 
wichtig nahm, was ihm bei seinem emsigen Durchforschen der Epoche Pettenkofens zu 
seiner eigenen Belehrung in die Erscheinung trat, ohne daß er sich und anderen klar- 
machen konnte oder wollte, daß dies alles auch für den Künstler, dessen Werden und 
Persönlichkeit er aus der Zeit herauszuentwickeln hatte, auch wirklich entscheidend oder 
von irgend einem besonderen Einflüsse gewesen ist. Nichts ist für einen Enthusiasten 
schwieriger, als sich im Interesse seines Helden zu bescheiden, und nicht jeder, der sich 
willig hingibt, wird, wie Lachmann einmal gesagt hat, völlig frei. Eine Titelerweiterung 
(Pettenkofen und seine Zeit) würde-den Verfasser über die Schwierigkeiten hinausgehoben 
und von allen Widersprüchen befreit haben. Denn in der Tat, alles, was sich um die 
Pettenkofen-Biographie und die kritische Darstellung seiner Entwicklung in Weixlgärtners 
umfassender Arbeit rankt, die erstere fast überwuchernd, ist ein Versuch, das geistige 
Leben des XIX. Jahrhunderts in seinen Widersprüchen und Gegensätzen zu schildern und 
auf diesem Hintergründe die Persönlichkeit Pettenkofens zu zeichnen. Aber da er ganz 
aus der Reihe seiner Zeitgenossen fiel, als Künstler und als Mensch, so kann sein Bild mit 
jenem Hintergründe nicht verwachsen. Sicher ist, daß Weixlgärtner Pettenkofen erledigt 
hat, daß nichts Wichtiges über den Meister zu sagen übrig bleibt.und der künftige 
Schilderer österreichischer Kunst des XIX. ]ahrhunderts die Weixlgärtnersche Charakte- 
ristik Pettenkofens nur in knappe Form zu bringen braucht, aber gar nichts Neues wird 
hinzuzusetzen haben. Der umfassende Oeuvrekatalog ist eine Glanzleistung für sich. Wie 
i" Arpad Weixlgärtner, „August Pettenkofen". Wien 1916, Gerlach ä Wiedling. 
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