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Volltext: Monatszeitschrift XX (1917 / Heft 9 und 10)

Kriegserschöpfung noch die Nachwirkungen einer zweijährigen schlechten 
Ernte kamen. Auf dem Gebiete der Webeindustrien im besonderen war 
auch die Überflutung des Festlandes mit der aufgehäuften englischen Ware 
sehr bedenklich. 
Das geringer gewordene Erträgnis der Fabrik hatte zur Folge, daß die 
Auflösung des Unternehmens, mindestens als Staatsbetrieb, neuerdings ins 
Auge gefaßt wurde. 
Ehe wir aber auf diese Frage eingehen können, müssen wir kurz den 
Wechsel in der Leitung der Fabrik überblicken; denn inzwischen hatte 
Sorgenthal schon den zweiten Nachfolger gefunden. ' 
Sorgenthal, Hofrat und seit dem Jahre 1795 Baron, war am 17. Oktober 
des Jahres 1805 gestorben, nachdem er schon am 7. Mai dieses Jahres den 
angesuchten Urlaub „zur Herstellung seiner Gesundheit" erhalten hatte." 
Es ist übrigens ein eigenes Verhängnis, daß Sorgenthal die Leitung 
durch lange Jahre unter denselben erschwerenden Umständen zu führen 
hatte wie sein Vorgänger von Stegner. Hatte dieser noch die Geschäfte der 
I-Iolz- und Messingwarenfabrik zu führen, so hatte man Sorgenthal im Jahre 
1782 zum Direktor der k. k. Wiener Porzellanmanufaktur und der Spiegelfabrik 
in Neuhaus ernanntfki Begreiflicherweise mußte Sorgenthal nun den größten 
Teil seiner Zeit in Wien verbringen, so daß man wiederholt den Gedanken 
erwog, für Linz einen „Teilnehmeim zu gewinnenh" und tatsächlich im Jahre 
1801 den I-lofsekretär bei der Finanz- und Kommerzhofstelle Josef Edlen von 
La Casa zum Direktionsadjunkten (ungefähr gleich Direktorstellvertreter) 
aber ausdrücklich nur für Linz, ernannte, „um den Herrn Fabrickendirektor 
. . . eine Erleichterung zu VerschaffenW-l- Zugleich verlieh man La Casa 
f" Nr. 115 vom Mai 1805. Laut ärztlichem Zeugnis ist „ihm dieser bisher noch nie genossene Urlaub" 
nötig. - Ebenda das „Attestaturn" des Dr. Joanes Nep. de  
Wegen des Sterbequartals für die Witwe (vermeintlich Gehaltsrückstandes) siehe Nr. 73 vom Juni 1806. 
Daß Sorgenthal ein eigenes neugebautes Haus besaß und daher das Wiener Naturalquartier fast nicht be- 
nützte (aber Entschädigung dafür beanspruchte), ersehen wir aus Nr. 773 vorn Nov. 1797 (zur Sitzung vom 20. Nov. 
1797). - Zu dem früheren Naturalquanier siehe Nr. 31 und 684 vom Juni 1776. Nach seinem Tode verblieb 
übrigens eine Schuldforderung des Staates von mehr als 12.000 fi., da er „wegen mangelnder Aufsicht" für den 
Schaden durch Wechselfilschungen und andere Betrügereien des Kassiers Wilhelm Will-lng haftbar gemacht 
wurde (Nr. 661 vom August 1799 und 151 vom Februar 1802). Die Angelegenheit zog sich jahrelang hin (Nr. 186 
vom September 1805, 91 vom Mai, 10 vom Juni und 228 vom Dezember 1806, 474 vom April 1808) und endete 
schließlich mit einem Ausgleiche (Nr. 201 vom Jänner, 116 und 166 vom März und 38 vom Juli 1810), wonach 
die Nachlassenschaft als Ersatz des Schadens durch die falschen Wechsel 8244 5., aber nicht den Ersatz des 
baren Kassenabganges von 4064 tl. zu tragen hatte. Der Nachlaß Sorgenthals betrug (nach 201 vom Jänner 1810) 
an beweglichem Vermögen der minderjährigen Erben 53.783 ll. 54 1:1., an unbeweglichem Vermögen „nach der 
geringen Schatzung" 95.000 H. 
Der Sohn Sorgenthals Karl wurde im Jahre 1784 „aus besonderer Rücksicht auf die eifrige Verwendung 
des Herrn Directors Hofrath V Sorgenthall" in der Buchhaltung der Fabrik angestellt (Nr. 380 vom August 1785, 
Monatsbericht vom Mai 1785); später erhielt er die Mitfinna und Besorgung der Geschäfte auf dem Kontor in 
Abwesenheit oder Erkrankung des ersten Beamten, „jedoch ohne Adjungirung". (Nr. 75 vom Mai 1790. Zur 
Sitzung vorn 6. Mai dieses Jahres.) 
i" Neuhaus in Niederösterreich. Die Anfänge der Fabrik gehen in die letzten Jahre des XVII. Jahr- 
hunderts zurück. Über die Gründung siehe A. 11g „Wiener Handel und Gewerbe im 18. Jahrhundert" (Wien 1888), 
V, 19. Im Jahre 1831 wurde die Fabrik nach Schlüglrnühl verlegt, bestand aber nur mehr neun Jahre. 
"W Ad 2568 182 vom Jänner 1797; Nr. 724 v01n Juli 1797 und anderes. 
1' Nr. 435 vom April 1801 (vgl. Nr. 428 vom Jänner und 147 vom Juli dieses Jahres). - Leitner, an den 
auch gedacht wurde, entnel wegen hohen Alters, erhielt aber eine Gehaltserhöhung. Er starb am 12. März 1808
	        

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