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Volltext: Monatszeitschrift XX (1917 / Heft 9 und 10)

 
N der Elemosynarius-Kapelle des Domes zu 
Preßburg stehen rechts und links vom Altar 
zwei große Bronzeleuchter: auf drei schweren 
Voluten, die den Fuß bilden, sitzen drei Engel, 
darüber erhebt sich der Schaft, mit einem 
Puttenfries und einer gewundenen Weinranke 
verziert (Abb. I). 
Es war meine Absicht, diese zwei Stücke 
in einem ganz anderen Zusammenhang zu ver- 
öffentlichen, als in dieser Zeitschrift der Aufsatz 
von A. R. Franz über „Raphael Donners Elemosynarius-Kapelle in Preß- 
burg" erschien," worin die Bronzeleuchter eingehend besprochen und 
Raphael Donner zugeschrieben werden. Die Lokaltradition, die ja immer 
bestrebt ist, einem einheimischen oder als 
einheimisch angesehenen Meister soviel wie 
möglich der erhaltenen Kunstprodukte zuzu- 
schreiben, nennt Donner als den Meister der 
Leuchter. Gegen diese Bestimmung wehrte 
sich ein großer Kenner des österreichischen 
Barocks, Albert 11g" (dem sich auch der Bio- 
graph Donners, Mayrfh" anschloß), und er- 
klärte die Stücke fiir italienische Werke des 
Seicento, „die man Donner in die Schuhe ge- 
schoben hat". Schließlich bezeichnete sie List 
(von dessen Tafelwerk A. R. Franz keine 
Kenntnis zu haben scheint) als italienische 
Arbeiten des XVI. Jahrhunderts? So war aus 
dem Dunkel der Lokaltradition auf wissenschaft- 
lichem Boden eine allgemeine Bestimmung 
erreicht worden, von der aus nur noch der 
Künstlername zu entdecken gewesen wäre. 
Nun will A. R. Franz in diesen zwei Leuchtern 
„unerklärlicherweise verkannte Donnersche 
Schöpfungen" erblicken. Doch - das sei 
' „Kunst und Kunsthandwerk", Wien 1917, Seite 85 H. 
i" 11g, „Raphael Donner", Festschrift zum zweihundenjäh- 
rigen jubiläum, Seite 6. 
"i" A. Mayr, „Georg Raphael Donner", Wien-Leipzig xgo7. 
1' C. List, "Bildhauerarbeiten in Österreich-Ungarn. Von der 
Barocke bis zum Ernpire", Wien, Kunstverlag Schroll ä Co., o. 1., 
Tafel rg. 
 
Abb. x. Preßburg, Dom, Bronzzleuchter 
von A. Fontana
	        

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