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Volltext: Monatszeitschrift XX (1917 / Heft 9 und 10)

des Cinquecento, so liegt kein Grund vor, den Oberteil für eine Nachahmung 
des Spätbarock nach dem Cinquecento zu halten, er ist vielmehr die Vor- 
lage selbst, gutes, verbiirgtes Cinquecento. Der Unterteil mit den Engels- 
i-iguren ist aber Cinquecento, wie ein Vergleich der nebeneinandergestellten 
Abbildungen der Engelsjünglinge von Preßburg und der Nachgüsse nach 
dem Leuchter in Pavia von Annibale Fontana (Abb. 5 und 7, 6 und 8) es 
jedem deutlich beweisen kann. Hier wie dort dieselben auf den Eckvoluten 
der Leuchterfüße lässig lagernden, geflügelten Jünglinge, die den einen Fuß, 
heraufgezogen, im Knie beugen, den anderen ungestützt hängen lassen. 
Ein blasser Nachglanz von Michelangelos Sixtina-Gestalten scheint sie zu 
beleben. Dabei willkürlich unmotivierter Kontrapost in der Bewegung, zweck- 
lose Anspannung zweckloser Muskeln, volle Entfaltung spätcinquecentesken 
Manierismus, an Bartolommeo Ammanatis „Prigioni" des Neptun-Brunnens 
zu Florenz gemahnend. Stellung und Haltung der Pavia-jünglinge spiegelt 
sich in ihren nur örtlich entfernten Verwandten von Preßburg wider. Oder 
sind es gar dieselben Statisten, die nur ein klein wenig ihre Stellung 
gewechselt haben, ihre spärliche Draperie um ein leises geändert, ohne 
aber aus der Rolle zu fallen? Die verlangte Miene haben sie fiirwahr bei- 
behalten, auch hier in der Fremde wenden sie ihre ausdruckslos leicht 
lächelnden, lockenumrahmten Köpfe obligatorisch um des Kontrapostes 
willen nach der der Richtung der Brust entgegengesetzten Seite hin, auch 
hier neigen sie sich etwas nach vorne, 
Muskeln und Knochen des Brustkorbes, 
Falten der Bauchpartie gleich wie in 
Pavia zum Ausdruck bringend. Könnte 
eine größere Ähnlichkeit zwischen diesen 
Figuren bestehen? Spricht aus ihnen allen 
nicht deutlich die Hand ein und desselben 
Künstlers? Und ist dieser Künstler nicht 
ein deutlicher Repräsentant italienischer 
Spätrenaissance, die meinetwegen auch 
Barock geheißen werden kann, wenn 
man diese konventionelle Bezeichnung 
nicht lieber für das Zeitalter Berninis auf- 
sparen will? 
Die in den ornamentalen Partien 
reicher ausgestatteten Pavia-Leuchter 
bieten aber noch weitere Vergleichsmo- 
mente. Auch hier kommt am Leuchter- 
schaft ein Puttenreigen vor (Abb. 9), 
zwar vollplastisch - und in der Erfin- 
dung gerade bei Monumentalleuchtern 
nicht neu, denn Maffeo Olivieri ersann 
 
3, 
 
. Abb. 4. Replik eines Engels vom Pavia-Leuch- 
ihn schon 1527 für seinen Osterleuchter w, Wien (Sammlung von Auspitz)
	        

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