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Volltext: Monatszeitschrift XX (1917 / Heft 11 und 12)

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Marienbad, Ambrosiusbrunnen, gegenwärtiger Zustand 
 
tempel in Anordnung und Dimensionierung den Originalen nahekommen. 
Die Abweichung ist aber aus den Illustrationen zu ersehen. 
Die großen Neubauten der späteren Zeit sind häufig ganz ohne Rück- 
sichtnahme auf das Vorhandene erfolgt. Sichtbare Eisenkonstruktionen und 
der Wirrwarr richtungsloser Stilkopien aus allen Jahrhunderten haben die 
Einheitlichkeit jener frühen Tage ganz aufgehoben, aber keine neue Einheit 
aufzurichten vermocht. 
Wie beträchtlich die offizielle österreichische Bautätigkeit in jener Zeit 
war, hat E. Leisching in dem vorzitierten Aufsatz auf Grund der Angaben 
Hormayrs hervorgehoben. In der Zeit von 1812 bis 1817 sind von 376 
Millionen Gulden, die für Staatsbauzwecke aufgewendet wurden, allein 100 
Millionen auf Staatsgebäude entfallen. Die für diese Bautätigkeit errichtete 
Generalbaudirektion stand unter Leitung Peter von Nobiles, der auch in 
künstlerischer Hinsicht richtunggebend wirkte und als Lehrer an der Wiener 
Akademie der bildenden Künste Einfluß auf die heranwachsende Generation 
von Architekten gewann. 
Wenn wir die Werke der vor und neben Nobile wirkenden Baukünstler 
Österreichs überblicken, so fühlen wir in ihnen das gleiche Streben nach 
Anschluß an die Antike und nach Aufstellung gewisser Grundforderungen 
und Prinzipien für strenge Formgebung, beinahe kann man sagen nach 
Formeln und Regeln, die in zahlreichen Publikationen niedergelegt sind. 
Die Renaissance- und Barockmeister, welche theoretische Richtungs- 
linien aufstellten, sind dabei zumeist von Vitruv ausgegangen, haben aber 
stets in freiester Weise ihre persönlichen Auslegungen und Varianten an 
die Überlieferung geknüpft, die weit von ihrem Ausgangspunkt abwichen 
und nur subjektiv gemeint waren.
	        

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