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Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 1 und 2)

Aus dem Goldschmiedehandwerk der ersten Hälfte des XVII. Jahr- 
hunderts gingen auch einige tüchtige Münzmeister, Wardeine und Münz- 
eisenschneider hervor. Der Goldschmied Hans Ulrich Marckh übte sein 
Handwerk vorn Jahre 1620 bis 1648 aus, wird anno 1648 Münzmeister und 
stirbt als solcher im Jahre 1655. Nach dem Tode des Münzmeisters Hans 
Frölich hat sich Hans Ulrich Marckh um die Grazer Münzmeisterstelle 
beworben und sagt in seinem Ansuchen: „Er habe die zum Münzmeister- 
amte erforderlichen Handgriffe von seinem seeligen Vater erlernt, welcher 
in Würzburg ein Goldschmied, doch zugleich bei selbig. Hofstatt Münz- 
meister gewesen." 
Die Erkundigungen über seine Person ergeben, „daß er eines ehrbaren 
Wandels und Lebens, zimlich wolbegütet und von guten Mitln, also 
tauglich" ist. Es wird ihm mit kaiserlicher Resolution vom 4. Juli 1648 gegen 
700 fi. Bestandgeld (Pacht) provisorisch das Münzmeisteramt anvertraut. Im 
Jahre 1652 wird ihm das Bestandgeld auf 400 H. ermäßigt. Die Sterbe- 
matriken der Stadtpfarre Graz teilen uns mit, daß er „der edl gestrenge 
Herr H. U. Marckh, gewester röm. kais. Maj. Hofmünzmeister alhie am 
3. Jänner 1655 bei St. Andrä zu der Erde bestattet worden". 
Dort finden wir heute noch in der Nordwand der Kirche außen seinen 
ziemlich großen Grabstein eingemauert. Er hinterließ einen Sohn Johann 
Marckh, der ebenfalls Bürger und Goldschmied in Graz gewesen ist. 
Dem Goldschmied Hans Caspar Khändlmayr ist es als Münzmeister 
nicht besonders gut gegangen. An Ehrgeiz hat es ihm sicher nicht gefehlt, 
wohl aber an den Erfahrungen, die sich Marckh bei seinem Vater in 
Würzburg gesammelt hatte. Im Jahre 1645 wurde er landschaftlicher Gold- 
schmied und aus den Ausgabenbüchern der Landschaft vom Jahre 1652 
erfahren wir, daß er am 18. Oktober „das bei der jüngst vergangenen 
Erbhuldigungsmalzeit verloren gegangene Silbergeschirr für 45 H. 6  
ergänzt hat". In den Raittungsbüchern der Abtei St. Lambrecht finden wir, 
daß er im Jahre 1658 für die Kirche in Mariazell ein silbernes Tabernakel 
angefertigt hat. Nach dem Tode des Hans Ulrich Marckh bewirbt er sich 
mit noch fünf anderen Kompetenten um die vakant gewordene Münz- 
meisterstelle und wird von der Hofkammer in Graz als erster und einziger 
vorgeschlagen. „Der Münzinspektor hat ihn ordentlich examiniert und hat 
ihm die Proben, so einem Münzmeister zu wissen gebühren, aufgegeben 
und ihn in solchen just und gerecht gefunden und weil er hievor 8 ganze 
Jahre bei dem verstorbenen Wardein Hans Daimer sich aufgehalten und 
ihm das Münzwesen mit dem Probieren, Beschickungen und schaiden 
genugsam bekannt gemacht, er auch sonsten ein guter und gerechter Gold- 
schmidt ist", wird seine Ernennung besonders befürwortet. Der Kaiser 
glaubt aber in dem ihm von anderer Seite ganz besonders empfohlenen 
Abondio Inzago einen verwendbareren Mann gefunden zu haben und 
ernennt diesen zum Grazer Münzmeister, mußte ihn aber schon im nächsten 
Jahre wegen Unregelmäßigkeiten absetzen.
	        

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