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Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 1 und 2)

also Augsburger Probe zwar zu willfahren, sie aber auch zu verhalten, daß 
außer den Zeichenmeistern, wie sie es verlangen, der hiesige Münzwardein 
ihre verfertigten Silberarbeiten besichtige und streiche und daß dann auf die 
x3lötig befundenen Waren das allhiesige Stadtzeichen aufgeschlagen werde. 
DieVorschläge der Regierung, die mit den Ratschlägen des Landeshaupt- 
mannes übereinstimmten, wurden vom Kaiser am ro. April 1652 sanktioniert. 
Die Goldschmiedeinnung war aber nur mit der Einführung der I3lötigen 
Probe zufrieden, wollte aber von der Beaufsichtigung der Probe durch den 
Wardein, respektive durch das Münzamt durchaus nichts wissen. Sie übte 
zuerst passive Resistenz und blieb, ohne sich um die Einführung des I3lötigen 
Silbers zu kümmern, bei ihrer r4lötigen Wiener Probe von früher. 
Als sich dann der damalige Münzmeister Khändlmayr bei der Regierung 
am 20. Juni 1657 für die „Erfrischung" der Anordnungen vom 10. April 1652 
einsetzte und ihre endliche Durchführung ihm übertragen wurde, erhoben 
die Goldschmiede, dagegen Einspruch und erreichten schließlich ihr ge- 
wünschtes Ziel. Mit kaiserlicher Entschließung vom 21. Juli 1668 wurde 
endgültig die 14lötige Probe beseitigt und die I3lötige, sogenannte Augs- 
burger Probe eingeführt und die Nachkontrolle der Probe durch den Wardein 
entfiel. 
Wahrscheinlich hat man von da ab strenger darauf gesehen, daß die 
Silberwaren mit „Meister- und Stadtzeichen" gezeichnet wurden, weil wir 
sie von dieser Zeit an mit diesen zwei Punzen versehen finden, während alle 
Gegenstände, die ich aus der Zeit der 14lötigen Probe vorfinden konnte, gar 
kein Beschauzeichen aufgeschlagen haben. Es wird daher auch der silberne 
und vergoldete Kokosnußdeckelbecher Seiner Durchlaucht des Fürsten 
Johann II. von und zu Liechtenstein im Schlosse Eisgrub, der aus dem Ende 
des XVI. Jahrhunderts stammt und als Beschauzeichen einen Panther mit 
der darüberstehenden Zahl 13 trägt, kaum als steirische Arbeit anzusprechen 
sein, da in Steiermark, wie wir eben gehört haben, bis in die Mitte des 
XVII. Jahrhunderts die I4lötige Wiener Probe vorgeschrieben war. Die 
Einführung der 13lötigen Probe hat, wie vorauszusehen war, die Erzeugnisse 
der Grazer Goldschmiede nicht beliebter gemacht, wir finden ihre Klagen 
über den schlechten Geschäftsgang und die zu große Zahl der Goldschmiede 
bis weit ins XVIII. Jahrhundert in den I-Iofkammerakten und ich werde an 
ein paar drastischen Beispielen zeigen, wie sie mit allen Mitteln den Eintritt 
von auswärtigen Meistern und Gesellen in ihre Innung zu verhindern suchten. 
Ich setze nun die Besprechung der Goldschmiede mit Jakob Schmied- 
huber, Bürger und Goldschmied in Graz, fort, der durch Jahre einen hitzigen 
Streit mit den Goldschmieden um seine Anerkennung als Meister und seine 
Aufnahme in ihre Innung führen mußte, schließlich aber doch siegte. Er 
war in Linz geboren, hatte dort sein Handwerk gelernt und später drei Jahre 
in Graz als Geselle gearbeitet, hatte sich da im Jahre 1648 verheiratet und 
war dann nach Laibach gezogen, wo er durch fünf Jahre sein Handwerk 
als Bürger und Goldschmiedmeister ausübte. Wie wir aus seinen weiteren
	        

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