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Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 3 und 4)

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die vier Ritter am Grabmal Kaiser Ludwigs in der Frauenkirche (Abb. 6) als 
„Wächter" verwendet wurden; unter den zwei „großen Weibsbildern" 
könnte man die auf dem Ludwigsgrab sitzenden allegorischen Gestalten der 
Weisheit und Tapferkeit vermuten. 
Die effektvolle,Kolossalgruppe des Erzengels Michael im Kampfe mit 
Luzifer an der Fassade (Abb. 7), die als Werk Gerhards anderweitig gut 
beglaubigt istf erwähnt Fröschel nicht. Sie bildet gewissermaßen außen ein 
plastisches Gegenstück zu dem riesigen Altargemälde des Christoph Schwarz 
im Innern der Kirche. Beide Erzengel, schlanke, hochaufgeschossene Gestalten 
im Geschmack jener Zeit, gleichen sich hinsichtlich der Körperbildung und 
der herabwallenden faltenreichen Gewandung. Während aber der Maler Engel 
und Teufel durch einen weiten Raum scheidet, muß der Bildhauer, wenn er 
nicht die Gruppe zerreißen will, beide Gestalten in körperliche Berührung 
miteinander bringen. So steht bei Gerhard St. Michael mit beiden Fiißen auf 
Leib und Brust des bockfüßigen Unholdes, der mit dem rechten Arm die Lanze 
zurückzustoßen sucht. Eine andere Lösung versucht rund 15 Jahre später 
der ganz italianisierte 
Hans Reichel an der 
Fassade des Augsbur- 
ger Zeughauses. Hier 
tritt der Engel, als 
wenn er soeben aus 
der Luft herabgefahren 
wäre, nur mit einem 
Fuß auf den nieder- 
geschmetterten Satan 
und schwingt hoch in 
derRechten einSchwert. 
i" 1588 erhielt der Gießer 
Martin Frey als Gießerlohn für 
das Bild des St. Michael an der Je- 
suitenkirche 300 Gulden: Westen- 
rieder, a. a. 0., Seite x01; vgl. 
Zonrnann im „Münchner jahr- 
buch für bildende Kunst", 1910, 
Seite 9x, Anmerkung 53. Die 
Zahlung für das Formen und Ver- 
schneiden des St. Michaelis-Bil- 
des an Hubert Gerhard im Be- 
trage von 80a Gulden wird in 
einer Hofzahlamtsrechnung des 
Jahres x59: gebucht: Westen- 
rieder, a. a. 0., Seite x09, und 
„Mitteilungen der Bayrischen Nu- 
rnismatischen GesellschafFßXlX, 
1900. Seite 35. - Auf dem Stich 
des Lukas Kilian nach einer will- 
kiirlichenZeichnungCandidswird 
die Gruppe als „opus ex aere 
Hubert Gerardi Holland." be- 
Abb. x6. Pieta von Hubert Gerhard, gestochen von Jan Sadeler zeichnet.
	        

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