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Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 3 und 4)

geplanten Standort, einige Willkür erkennen lassen. Sehr gut läßt sich 
an dieser Bronze beobachten, wie Gerhard die Augen behandelt. Im 
Gegensatz zu Adrian de Vriesx und wohl auch zu Bologna sucht er stets 
die Iris des Auges durch ein Loch plastisch darzustellen, strebt also auch 
hier nach einer rein malerischen Wirkung. Durch die tiefe Unterhöhlung 
des unteren Augenrandes und das Herüberziehen des oberen Augenlides, 
das nicht in einem Winkel mit dem unteren zusammenstößt, erreicht 
er eine größere Beschattung und damit ein stärkeres Hervortreten der 
Augenpartien. Die mit großer Sorgfalt und Akkuratesse ausgeführte Model- 
lierung aller Teile, namentlich der Schmuckstücke, Locken und des Ge- 
üeders der Flügel, erhöht die anziehende Wirkung dieser Bronze. 
i Ähnlichen dekorativen 
Zwecken dienten die knienden, 
Standarten haltenden Krieger 
(Abb. g) und die Löwen," bei 
denen daherauf die sorgfältige 
Durchbildung des Omamen- 
talen besonderer Wert gelegt 
ist. Die prunkvollen Rüstungen 
imfranzösisch-italienischenGe- 
schmack, die Phantasiehelme 
mit den Greifen und Hippo- 
gryphen, allesist bedeckt, doch 
nicht überladen, mit fein stili- 
sierten groteskenartigen Zier- 
formen (Akanthusranken, die 
aus Blütendolden hervorwach- 
sen, Löwenköpfe, Fratzen, 
Drachen, Tritonen, Seeweib- 
chen und anderes), die ein im 
Norden ungewöhnliches Ver- 
ständnis für den reinen Adel 
des Renaissanceornaments ver- 
" Buchwald, „Adriane de Vries", 
Leipzig 1899, Seite 3c; vgl. Seite 96. 
i" Nur je ein Paar der Trabanten und 
Löwen ist von Gerhard selbst modelliert, 
und zwar, wie an der besseren Ausführung 
zu erkennen ist, die beiden der Eingangstiire 
zunächst aufgestellten Wächter und von den 
Löwen die beiden, die das der Preisingstraße 
gegenüber gelegene Residenzxor bewachen. 
Die anderen hat Pallago im Anschluß an 
Gerhards Vorbilder geschaßen. Vgl. K. Traut- 
mann in „Monatsschrift des historischen 
Vereins von Oberbayern", V, 1896, Seite l 1B, 
Abb. 18. Hubert Gerhard, Engel in der Michaelskirche zu Nagler, „Künstlerlexikonä XL, Seite 462, 
München und Ree, a. a. 0., Seite m6.
	        

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