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Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 3 und 4)

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Spur der interessanten h0lzge- 
schnitzten Gruppe Maria mit dem 
Leichnam Christi, die vergessen 
und verstaubt seit alters in einer 
Nische neben dem Eingang zum 
Oratorium derMichaelskirche steht 
(Abb. r7)."' Sie ist eine Variation 
desselben auf Michelangelo zurück- 
gehenden Pietatypus, den auch 
die gestochene, wahrscheinlich 
gleichfalls in Holz gearbeitete" 
Skulptur Gerhards wiedergibt. 
Übereinstimmend - imGegensatz 
zu Michelangelo - namentlich die 
Vertikalen des rechten Armes und 
der fast parallelen Unterschenkel 
sowie das Sichtbarmachen des 
linken Armes, der in der gesto- 
chenen Gruppe allerdings nicht in 
dieser preziösen Weise demon- 
striert wird, weiter die wuchtige, 
tief eingeschnittene Draperie, die 
den Gedanken an ein Gußmodell 
nahelegt. Der Christuskopf ent- 
spricht dem von Bologna geschaf- 
fenen Idealtypus, den ja auch 
dessen das Wilhelms-Mausoleum 
Abb. 22. Hubert Gerhard, Der Apostel Bartholomäus in krönender Crucisxus und in glei- 
der Michaelskirche zu München cher Weise die besprochenen Re- 
liefs Gerhards zeigen. Der meister- 
haft durchgebildete Körper, der nicht so stark verkleinert ist wie bei 
Michelangelo, verrät genaueste Kenntnis der Anatomie. Die Art der Auf- 
stellung, die Größenverhältnisse, die Form des Postaments und anderes 
deuten darauf hin, daß die Gruppe für diesen Platz geschaffen wurde. 
Wenn auch die Ausführung in Holz nicht von Gerhards Hand herzurühren- 
braucht, so dürfte doch angesichts der Ähnlichkeit jener gestochenen Gruppe 
nicht daran zu zweifeln sein, daß der Entwurf auf ihn, den leitenden Bild- 
hauer der Michaelskirche, zurückgehtfii" 
i" Höhe etwa x50 Zentimeter, Breite am Sockel 95 Zentimeter; das Postarnent ist etwa 65 Zentimeter 
hoch. Weißer Anstrich neuerer Zeit. In der kunsxhistorischen Literatur wird die Gruppe nirgends erwähnt. 
"k" Lipowski, a. a. 0., und Nagler, „Kiinsderlexikonü V, Seite 11x, übersetzen 
alten Überlieferung folgend, mit „Seschnitzw. 
"ü" Ähnliche Auffassung zeigt das in diesen jahren in München gemalte Vesperbild des Hans von Aachen: 
R. A. Peltzer im „Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses", XXX, Fig. 25 
und Tafel 1 r. 
„sculptam", vielleicht einer
	        

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