MAK

Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 3 und 4)

__,_ 
auf und verleihen ihm deren Privilegien." In der Einleitung wird zwar gesagt, 
der Bildhauer habe sich bereit erklärt, dem Rufe Albrechts und Isabellas 
baldigst zu folgen, „pour prendre par-deca fixe residence, aiin de s'employer 
de temps ä aultre en ce qu'elles [leursdictes Altezes] luy en chargeront", 
ein Aufenthalt Gerhards in Brüssel läßt sich aber aus diesem Wortlaut 
nicht ohne weiteres folgern." In der sechs jahre später ausgestellten Ent- 
lassungsurkunde Maximilians wird eine längere Unterbrechung seiner 
Tätigkeit nicht einmal angedeutet. 
Auf der Suche nach vorhandenen Werken Gerhards aus seiner Inns- 
brucker Zeit leisten uns die allgemein gehaltenen Angaben der mitgeteilten 
Urkunden leider nur geringe Beihilfe. Etwas präziser drückt sich dagegen 
der stets gut orientierte Augsburger Kunstliebhaber Philipp I-Iainhofer in 
seinen Briefen aus. Er spricht da 1610 von einer bronzenen Reiteriigur des 
Deutschmeisters, „erzherzog Maximilian auf ein pferdt sitzent, welches 
I-Iruprecht rund und groß in brunzo" gemacht hatte, und erzählt weiter: 
„Das obgedachte pferdt, darauf erzherzog Maximilian sitzet, hat anfangs 
I-Iruprecht auß befelch ihrer durchlaucht rund und hoch in brunzo nach dem 
leben gemacht", „und soll diß ein ritratto vom pferdt sein, das ihr durch- 
laucht auß ainer großen noth getragen hatßw" I-Iainhofer hat diese Reiter- 
Figur nicht selbst gesehen, wohl aber ein Wachsrelief, das der in Augsburg 
lebende niederländische Goldschmied jan de VossT nach der Vollfigur 
Gerhards angefertigt hatte und das I-Iainhofer dem Herzog von Pommern 
nach Stettin sandte. Solche Cavallini nach dem Muster der von Bologna 
geschaffenen Mediceer-Denkmäler in Florenz waren bekanntlich ein be- 
gehrter Kunstartikel an den damaligen europäischen Fürstenhöfenrl-i- In 
Maximilians Nachlaßinventar aus dem Jahre 16191-1-1- findet sich ein der- 
artiges Reiterbildnis unter zahlreichen Silberarbeiten auf einem Schreib- 
tisch des Schatzgewölbes: „drei kleine silbern bilder, zue höchst ober ihr 
durchlaucht zue roß passirt, beyderseits der Kayn und Hercules von metal". 
Auch in der Kunstsammlung des Vertrauten Maximilians von Rosenberg 
kommt „ein Bild des Deutschmeisters zu Pferd aus Silber (200 Duk.)" vor" 
und vielleicht war auch das in Erz gegossene Bildnis Maximilians, das 
' Pinchart, „Archives des arts", I. Serie, III, Gent 1881, p. 241. - Vgl. Wurzbach, „Niederländisches 
Künstlerlexilton", I, Seite 580, und Marchal, „La sculpture helge", Brüssel 1895, p. 381 und 435, wo aber die 
Identität mit dem Münchener Hubert Gerhard nicht erkannt ist. g 
""' Eine Tafelordnung vom 14. Mai 1607 fuhrt an der Tafel der Kammerdiener als letzten an: „Rupertus 
Gerhardt, Künstler": „Repenorium für Kunstwissenschaft", III, Seite 302. 
"n Doering, „Des Augsburger Philipp Hainhofer Beziehungen zum Herzog Philipp I1. von Pommern", 
„Quellenschriften fllr Kunstgeschichte", N. F., VI, Wien 1894, Seite 78 und 80. - Unter der "großen Not" ist 
wohl die Flucht Maximilians vor den Türken in der Schlacht bei Erlau am 26. Oktober 1596 gemeint; vgl. Hirn, 
a. a. 0., Seite 5a. 
1 1' Über Jan de Voss, der gleichfalls viel für Maximilian und Rudolf II. gearbeitet hat, vgl. G. I-Inhich, 
„Die deutschen Medailleure des 16. jahrhunderts", 1g16, Seite M7, und Wurzbach, „Niederländischgs Künsq". 
lexilton". 
H Vgl. von Schlosser im "Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiser- 
hauses", XXXI. Seite 124. 
1-1-1- Dudik, „Des Hoch- und Deutschmeisters Erzherzog Maximilians Testament und Verlassenschaft von 
1619": „Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen", XXXIII, 1865, Beilage IV, Seite 23g. 
" Hirn, n. a. 0., Seite 364.
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.