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Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 3 und 4)

schließen (Abb. 38). Das Herz der Münchner hat sich Krumper aber mit 
seinem Madonnenbild an der Residenzfassade (um 1616) erobert, das zu 
einem Vergleich mit Gerhards Madonna geradezu herausfordert (Abb. 39). 
Die „Patrona Boiariae" ist volkstümlicher gehalten. Eine wohlgenährte 
junge Frau aus dem Volke von etwas gedrungener Statur, nicht eine hoch- 
gewachsene griechische Göttin hat Modell gestanden. Diesen derberen 
Frauentypus liebt Krumper auch sonst. Unter dem Mantel trägt sie die 
Landestracht, Hemd, Mieder, Rock und Schuhe, auf dem Haupt einen Kranz 
von Blumen. Gegenüber dem sorgfältig überlegten edlen Faltenwurf der 
Gerhardschen Madonna hat man hier die Empfindung, daß der Künstler 
nicht recht Herr über die schweren Stoffmassen geworden ist. Die Körper- 
formen verschwinden unter der Draperie, die Gelenkfunktionen sind kaum 
betont. Welch große Distanz die beiden Künstler voneinander trennt, tritt 
namentlich auch bei einem Vergleich der Kinder zutage. Wie wenig ge- 
schickt ist die Stellung, wie plump die Behandlung des Gliederbaues bei 
Krumper! Im allgemeinen erscheint Krumper flacher und gefälliger, fast 
weichlich-sentimental, ohne den männlichen Ernst und die Reife seines 
Lehrers. Die souveräne Beherrschung aller Mittel künstlerischer Gestaltung, 
die allein einen so großen Wurf wie die Madonna der Säule gelingen lassen 
konnte, geht ihm ab. Aber als Altbayer wußte er unter Benutzung des ihm 
von Gerhard überlieferten Formenschatzes dem nationalen Empfinden mehr 
entgegenzukommen. Krumper hat das Verdienst, die bayrische Plastik aus 
den kühlen, formalabgeklärten Regionen der Spätrenaissance, in der sie 
Gerhard heimisch gemacht hatte, hinübergeführt zu haben in die tempera- 
mentvolleren, sturmbewegten Zeiten des Barocks. 
AUS DEM WIENER KUNSTLEBEN Sie VON 
HARTWIG FISCHEL-WIEN St. 
EZESSION. Die Vereinigung bildender Künstler Österreichs „Sezession" hat ihre 
Räume einer Gruppe jüngerer Künstler zur Verfügung gestellt, die in ihrer Art selbst 
eine neue Sezession darstellen. Als einst die hoffnungsreiche und wagemuüge Vereinigung, 
deren künstlerisch produküvsten und maßgebendsten Persönlichkeiten zum Teil schon 
heimgegangen, zum Teil in Amt und Würden tätig sind, in oEenem Kampf dem herrschenden 
Klüngel entgegentrat, galt es vorerst überhaupt den Boden zu bereiten, auf dem neues und 
ehrliches Streben zur Geltung kommen konnte. 
Seitdem ist das Streben nach Neuem auf die Tagesordnung gekommen. Allerdings war 
es nicht immer auch ein ehrliches Streben. Der Erfolg der Tüchtigen hat die Geschäitigen 
bewogen, äußerlich ihre Verachtung gegen die Alltäglichkeit und gegen das allgemein: 
Gültige nachzuahmen. Aber nicht auch ihre Leistungen zu steigern. So ist das Mißh-auen 
gegen die „Besonderen" wieder eingekehrt, um so mehr als so viele, die einst die Ab- 
sonderung betonten, in die Laufbahn der Gerechten und Loyalen eingetreten waren. 
Philipp Gütz (gestorben 1527) in der Allerheiligenkirche zum Kreuz. Auch ist auf ihn wohl die Aufstellung des 
Ludwigs-Grabes zurückzuführen; die relieüenenBronzeengel an denSehmalseiten erinnern stark andas Löschsche 
Epitaph, das geistlose Totenschiidelmotiv verwendet er überall.
	        

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