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Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 5, 6 und 7)

EZESSIQN. Die Funfzigste Ausstellung der Vereinigung bildender Künstler Öster- 
reichs, deren Gründung unter dem Schlagwort „Sezession" so tief in das Wiener 
Kunstleben eingegriffen hat, vollzieht sich unter ungünstigen Verhältnissen. Von den beiden 
hauptsächlichen Programmpunkten, den jungen Kräften der Heimat eine Piiegestätte zu 
sein und dem heimischen Publikum die Bekanntschaft mit den besten Leistungen des 
Auslandes zu vermitteln, hat in letzter Zeit nur der erste Erfüllung finden können. Mit der 
eigenen Bilderschau und der Angliederung des „l-lagenbundes" an diese Ausstellung hat 
die Vereinigung ihre Gastfreundschaft neuerdings betätigt. Es muß ihr dies um so höher 
angerechnet werden, als manches aus ihrem eigenen Schaffen dadurch erheblich schärfer 
beleuchtet wurde, das scharfes Licht leider nicht mehr verträgt. Von dem, was einst, 
mitgerissen durch die Begeisterung für höhere Leistungen, als zukunftsfroh gedeutet 
wurde, ist vieles wieder im Schatten der Konvention versunken, die einst bekämpft wurde. 
Und doch ist tüchtige Arbeit genug vorhanden, wenn auch wirklich Großes fehlt. 
Immer lebt noch in allen jener Sinn für die dekorative Wirkung an der Wand, die Ein- 
Fügung in eine Kunst des Raumes, die vom Gegenstande unbeirrt, über diesen hinaus zu 
starker farbiger Wirkung vorzudringen vermag. Hier wären Fr. von Radlers Panneaux zu 
nennen und Jungnickels phantasievolle Kompositionen, die in ihrer Art auf besonderen 
Wegen eine bunte und doch abgestimmte Flächenwirkung anstreben. 
In der Landschaft weiß R. l-larlfinger das gute Ornament mit kräftigem Natursinn 
herauszugreifen, während F. X. Weidinger in abgestimmten altmeisterlichen Tönen die 
Versenkung in lineare und farbige Feinheiten mit schönem Raumgefühl verbindet. Im 
Stilleben herrscht die farbige Buntheit in maßvoll abgestimmter Kraft. 
Einen ganz erfreulichen Eindruck der voll beherrschten Leistung bietet jener Raum, 
der dem Kunstgewerbe und der Graphik eingeräumt ist. Dr. Rudolf junk bringt mit seinen 
Bucheinbänden, farbigen Holzschnitten, so abgerundete Leistungen, daß man wohl von 
einem erreichten Hochstand sprechen kann. Vielleicht ist es ein wenig auch ein Mangel, 
aber sicher ist es zugleich ein Stolz des Wiener Kunstlebens, daß dem Kunstgewerbe die 
volle Ebenbürtigkeit mit der hohen Kunst errungen wurde, daß hier der Wettbewerb mit 
den Besten unserer Zeit erfolgreich kann bestanden werden, und daran hat die Sezession 
ihren großen Anteil. 
Auch dem Bildhauer F. Barwig, dem Meister der Kleinplastik, hat der Kontakt mit 
dem Kunstgewerbe jene wertvollen Grenzen gesteckt, innerhalb deren sein Werk doch 
wieder jene Vollkommenheit erreichen konnte, die ganz erfreut und befriedigt. 
Die Graphik ist mannigfaltig und gut vertreten. 
Ein neues Verfahren des „Handtiefdruckes", das Maler August Roth erfand und selbst 
so reizvoll auszuüben versteht, das alte und so bewährte I-lolzschnittverfahren, in dem 
Carl Thiemann besonders anziehende Arbeiten zeigt, die Handzeichnung und das Aquarell 
sind in Illustrationswerken und Einzelblättern gut vertreten. So rundet sich das Bild "der 
Ausstellung zu einem heiteren und anregenden, wenn auch nicht zu einem aufregenden 
Eindruck. Die „Gesetztheit" beherrscht ihn ganz. 
KUNSTLERHAUS. FRUHIAHRSAUSSTELLUNG 1918. Wenn nicht 
einige Porträte aus hoher und höchster Gesellschaft und das Vorwiegen militärischer 
Uniformen bei ihnen an die Gegenwart erinnern würden, die Frühjahrsschau der Künstler- 
genossenschaft würde sich von zahlreichen Vorgängerinnen kaum unterscheiden. Gesell- 
schaftliche, nicht künstlerische Ereignisse bilden den Grundton. Man begrüßt altbekannte 
und beliebte Persönlichkeiten unter den Künstlern, bewundert Schönheiten der vornehmen 
Welt, Landschaften, Städteansichten aus Gegenden, die als malerisch berühmt sind. Die 
alten Geleise sind überall wieder beschritten und kein aufregender Versuch, sie zu über- 
schreiten, stört die Ruhe der Besucher. Bedeutendes fällt nicht auf, trotzdem manche 
Begabung in einem stärkeren Milieu zu höherer Leistung wachsen könnte; das Schwache 
und Unzureichende wird nachsichtig eingereiht und hingenommen.
	        

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