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Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 5, 6 und 7)

schiedenes auszusetzen: „Der Kelch sei mehr Gürtler- als Goldschmied- 
mäßig ausgefallen und könne wegen seiner Fehler als Meisterstück nicht 
geltend befunden werdenff Das Gubernium fand den Kelch aber „hinreichend 
für das Meisterstück" und trug dem Magistrat am 12. Jänner 177g auf, die 
Inkorporation des Anton Streb zu veranlassen. 
Im Jahre 1804 war dieser Meister Besitzer des Hauses Sporrgasse Nr. 61. 
Mit der Innung ist er immer auf gespanntem Fuße gewesen. Im Jahre 1785 
beschwert sich das Goldschmiedmittel beim Gubernium über ihn und bittet, 
„ihm den im Schilde führenden doppelten Adler abzubieten und die von ihm 
geschätzten Pöllauer Prätiosen von einem Goldarbeiter schätzen zu lassen". 
Ferner behauptet es, daß sich „Streb für einen Wiener Goldschmied aus- 
gehe". Zur Beurteilung seiner Fähigkeiten haben wir fünf in seiner Werk- 
stätte gearbeitete Gegenstände, und zwar einen einfachen, grob getriebenen 
Kelch mit dem Beschauzeichen vom Jahre 1778 in Weiz, einen silbernen 
Löffel vom Jahre 1794 im Schlosse St. Martin bei Graz und zwei hohe 
Kannen und eine Zuckerbüchse aus Silber vom Jahre 1800 in der Abtei 
St. Lambrecht. Von den Kannen ist die eine 27, die andere 22, die Zucker- 
dose 15 Zentimeter hoch. Die Kannen, von denen die eine im Bilde gezeigt 
wird (Abb. 22), sind aus starkem Silber getrieben, haben elegant gebogene 
Bandhenkel und sind von edel profilierter Gestalt, die durch kluge Be- 
schränkung der Ausschmückung ganz besonders zur Geltung gelangt. Der 
klar durchgebildete Blatt- und Blumenornamentfries ist der Glanzpunkt der 
Verzierungen und kontrastiert etwas mit dem den Abschluß bildenden, 
künstlerisch schwächeren, aufgelegten Blattkelch mit Knospen am Deckel. 
Die Zuckerdose ist ebenfalls getriebene Arbeit (Abb. 23), einfach, aber edel 
profiliert und mit zwei durchbrochenem, geschweift gebogenen Bandhenkeln 
versehen. Als Verzierung ist hier am Körper ein hübscher Weinlaubfries 
und am Deckel der Blatt- und Knospenabschluß wie bei den Kannen an- 
gebracht. Alle drei zusammengehörenden Stücke zeigen Verständnis für 
den Empirestil und sind anerkennenswerte Leistungen. Das Meisterzeichen 
A. S. zuerst im eingekerbten und später im einfachen Rechtecke findet sich 
auf allen genannten Stücken. 
Ein anderer guter Silberarbeiter dieser, Zeit, der sich nach seinen 
vorgefundenen Arbeiten taxieren läßt, ist August Jezbara. Er war der Sohn 
des Verwalters Johann Jezbara und nahm am 22. Jänner 1775 Katharina, 
die Tochter des tüchtigen Silberarbeiters Anton Römmer, zur Ehewirtin. 
Als Meisterstück machte er zwei fassonierte silberne Tafelleuchter, die zur 
„vollsten Zufriedenheit" des Goldschmiedmittels ausfielen, wonach er am 
16. Juli 1778 inkorporiert wurde. Im Dezember 1793 ist er Obervorsteher der 
Innung geworden und hatte diese Stelle wahrscheinlich bis zu seinem 
am 1. September 1802 erfolgten Tode inne. Wir besitzen von diesem 
Meister sechs bekannte Arbeiten, von denen eine gut getriebene silberne 
hohe Monstranz mit massiven Figuren aus dem Jahre 1778 in Knittelfeld, 
ein kreuzförmiges, silbernes Pazifikale mit kleinem Strahlenkranz aus dem
	        

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