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Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 5, 6 und 7)

geplündert worden, trotz der hohen Strafen, die 
auf solchem Sakrileg standen; im Meisterver- 
zeichnis ist einmal 1661, bei dem Namen des 
Zapfenmachers Antoni Götsch notiert: „ist erheet 
worden (aufgehängt): hat gestohlen Epitaphium". 
Das unerfreuliche Werk von Bösch-Gerlach, 
das auf wissenschaftlichen Wert keinen Anspruch 
machen kannf" enthält von den Meistergräbern 
nur eines, nämlich das verhältnismäßig belang- 
lose des Veit Hoffmann (Tafel 48, 4). Bei einer 
systematischen Sichtung des gesamten Materials 
wird man aber jedenfalls zum Teil von dieser 
Gruppe auszugehen haben. Manche der Rot- 
schmiedepitaphien sind zwar notorisch nicht von 
dem in der Grabschrift genannten Meister aus- 
geführt worden, wie das Beispiel der von Johann 
Jakob Schmidt signierten Gedenkplatte des Johann 
Fleischmann beweist. In anderen Fällen, wie 
bei dem von Trechsel (Seite 635) beschriebenen 
Epitaph des Benedikt Wurzelbauer, wird jedoch 
an der Eigenhändigkeit nicht zu zweifeln sein. 
Bösch konnte im Jahre 1891 noch den Satz 
niederschreiben: „von der Mitte des XVII. Jahr- Abb. a. 
hunderts an verlieren die Epitaphien an Bedeu-  
tung". Das war eine groteske Verkennung des 
Sachverhalts. Die Glanzleistungen eines Sebastian Denner, die selbst mit 
dem im vornehmen Antiquitätengeschmack Deutschlands noch immer 
herrschenden belgisch-französischen Qualitätsbegriff zu umfassen sind, 
datieren erst seit jener Zeit und stellen manches in den Schatten, was das 
Barock sonst aus Bronze geschahen hat. 
Wenn diese Meisterwerke in der Kunstge- 
schichte einen Platz neben Andreas Schlüter 
nicht fanden, liegt das daran, daß das Interesse 
der Nürnberger Forschung früher in der Dürer- 
Zeit aufging. Lediglich der Vischer-Periode 
entnahm man den Maßstab zur Wertung der 
ganzen Gattung der Messingepitaphien. Zwei- 
fellos wird die Praxis der Gegenwart gerade 
bei den Inkunabeln vom Anfang des XVI. jahr- 
' hunderts anknüpfen müssen, bei jenen Gedenk- 
platten, die mit knappester Fassung der Grab- 
schrift und ausdrucksvoller Kürze in der bild- 
 
 
tl Zur Charakteristik: ein Epitaph versehentlich zweimalrepro- 
Abb. 4. Schraubenkopf, XVLJahrl-iunden duziert.
	        

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