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Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 8, 9 und 10)

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geber ausdrücklich hervorhebt, nur diejenigen, auf welche der Künstler 
besonders Wert gelegt hat?" Und es wäre nun sehr begreiflich, wenn ein 
Künstler, der so viele und so umfangreiche Bauten ausführen konnte, wie es 
Giacomo Quarenghi vergönnt war, auf den bloßen Umbau einer Fassade 
und auf die Ausschmückung etlicher kleinerer Räume nicht so viel Gewicht 
gelegt hätte, daß sein Sohn sich veranlaßt gesehen hätte, sie in eine ver- 
hältnismäßig beschränkte Auswahl von Werken aufzunehmen. 
Um uns hierüber aber klarer zu werden, wird es nötig sein, kurz darauf 
hinzuweisen, wer Giacomo Quarenghi eigentlich war; denn gerade die 
Künstler seiner Zeit sind uns heute im allgemeinen ziemlich wenig bekannt, 
wozu bei diesem Meister im besonderen noch der Umstand beiträgt, daß 
die meisten seiner Werke an Orten entstanden sind, die uns sehr ferne 
liegen. 
Wurzbach erwähnt den Künstler allerdings in seinem „Biographischen 
Lexikon . . .", dazu wohl durch Girolamo Dandolos „La cadufa della 
repubblica di Venezia" angeregt, ein Werk, das auch sonst für den öster- 
reichischen Biographen von Wichtigkeit war und auf einen gewissen 
Zusammenhang des Meisters mit Wien bereits hinweist?" merkwürdiger- 
weise schreibt Wurzbach jedoch Querenghi (nicht Quarenghi) und bemerkt 
sogar noch, daß Naglers Künstlerlexikon diesen Künstler nicht enthalte. 
Das ist aber ein Irrtum: Nagler bringt sogar eine ziemlich ausführliche 
Lebensbeschreibung des Meisters, allerdings unter dem richtigen Namen 
Quarenghi. Nur der eben genannte Dandolo""'"" hat - aus welchem Grunde 
wissen wir nicht - Quarenghi geschrieben, woher eben die Schreibung 
Wurzbachs kommen wird. Es kann aber wohl keinem Zweifel unterliegen, 
daß die richtige Schreibweise Quarenghi ist; denn so steht es in dem 
bereits erwähnten Buch des Sohnes auf dem Titel gleich zweimal, so liest 
man es unter den Stichen und so hat der Künstler auch die eigenhändigen 
Zeichnungen unterfertigt, von denen wir noch sprechen werden. 
Übrigens enthält, wie gesagt, schon das Werk des Sohns eine Bio- 
graphie unseres Künstlers, der wir wenigstens einige Hauptzüge seines 
Lebens und seiner Entwicklung entnehmen könnensl- 
Jacopo Quarenghi wurde also am 20. September des Jahres 1744 zu 
Bergamo als Sohn eines Malers geboren und trieb von früher Jugend auf 
selbst die Kunst des Vaters, der übrigens auch der Großvater sich schon 
gewidmet hatte, undroblag daneben noch literarischen Studien. So wird uns 
berichtet, daß er schon mit achtzehn Jahren „in eleganter Weise in Prosa 
i" A. a. 0., Seite g dird solamznte di quelle cose che unche la sua [des Vaters] difficilissima approva- 
Zion: hamw poluto ottenere. 
i" Der volle Titel des Werkes lautet: La caduta della repubblica di Venezia ed i suai ultimi einquart- 
fanni, Venedig 1857. 
1'" Appendice, Seite 2x4 ü". 
1' Eine kürzere (und nicht selbständige) Lebensbeschreibung bietet auch Giuseppe Merzario in seinem 
zweibändigen Werke „I maesiri Comacini" (Mailand x893), Band 2, Seite 576 5'. Ein neueres Werk von Giuseppe 
Colombo aus Bergamn G. Quarenghi Bergamasco, architetto alla Curte Imperiale di Pietroburgo, Memonh, 
Turin 187g (im Katalog des Britischen Museums angeführt) war uns nicht zugänglich.
	        

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