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Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 8, 9 und 10)

Wenn Quarenghis Bauherren also auch ins Große und gewissermaßen 
ins Leere gingen, so wollten sie persönlich doch, wenn auch nicht gerade 
behaglich, immerhin bequem leben, und dazu genügten nicht die Über- 
lieferungen der italienischen Kunst, die den Forderungen des neueren 
Lebens doch allzu fern stand. So hebt denn auch die Lebensbeschreibung 
Quarenghis in dem erwähnten Werke hervor, daß der Künstler auch die 
Anlage der französischen Bauwerke studiert habefk l 
Als die Hauptwerke des Künstlers in Rußland werden nun die folgenden 
genannt: das Theater der Eremitage, dessen Inneres wir hier wiedergeben 
(Abb. 7), der Palast des Fürsten Bisbarotko (Bjezborodko) in Moskau," die 
Stiege des kaiserlichen Palastes ebenda, der Pavillon im Englischen Garten 
zu Peterhof, der Musiksaal und ein „Baignoir" in Art einer antiken Nau- 
machie in Zarskoje-Sselo, die Kapelle des Malteserordens, die Bank und die 
Handelsbörsefm" die Reitschule der kaiserlichen Garden zu Pferde und der 
Entwurf zur Erlöserkirche in Moskauri- 
In Schweden wäre der Palast von Scoonenberg zu erwähnen, in 
München die Königliche Reitschule. 
Die meisten der erwähnten Werke und einige andere Bauten, wie das 
Smolni-Institut (in dem die Revolutionäre im Jahre 1917 tagten) sowie einige 
unausgeführte Entwürfe finden sich in dem Werke des Sohnes dargestellt. 
Über das Theater der Eremitage hat der Künstler selbst ein Werk heraus- 
gegebenrh- 
Von mehreren der genannten Gebäude finden sich auch in der k. k. 
Farnilieniideikommißbibliothek zu Wien, vom Künstler signierte, Original- 
zeichnungenji-j- Wir nennen Grundriß, Längsschnitt und Fassade des 
Theaters der Eremitage, o Grundriß und Aufriß des Musiksaales in Zarskoje- 
Sselo, eine Ansicht der Ruine ebenda, Grundriß und Aufriß des kaiserlichen 
Pavillons im englischen Garten zu Peterhof, Grundriß und Aufriß der Börse 
und des Kaufhauses der Goldschmiede (Boutiques des Orfevres). Auch findet 
sich ein, nicht bezeichneter, Plan von Scoonenbergfm 
Es handelt sich um Federzeichnungen, die zum Teile einfarbig graubraun, 
größtenteils jedoch in verschiedenen Tönen, braun, blau und rosa, laviert sind, 
wodurch eine eigentümliche schillernde Wirkung entsteht. Dieses farbige 
Nebeneinander im Gestein gibt etwas von dem Ruineneindruck, wie ihn auf 
"f A. a. 0., Seite io. 
"K Wegen des plötzlichen Todes des Bauherrn übrigens nicht über die Fundamente gediehen. 
f" ehe ä Vedijicia piü sontuosa di Pietmburgo (bei Merzario). 
1' Dieser Entwurf fällt in die letzte Lebenszeit Quarenghis; die Ausführung erfolgte durch verschiedene 
Baumeister, darunter den Cornasken Gilardi, mit ungeheurem Aufwande unter Alexander I. und Nikolaus l. 
1-1- Giacomo Quarenghi: Thäatre de PHermitage de S. M. lmpäratrice de taufe: les Russies (7 Tafeln, 
Großfolio), Petersburg, r787. Wir kennen aber nur den Titel aus dem Katalog des South-Keusington-Museums. 
1+} Unter der Bezeichnung: K. 28x. - Wir erlauben uns hier dem Herrn k. und k. Oberbibliothekar dieser 
Sammlung, Dr. Rudolf Payr von Thum, der uns bei einem kürzeren Aufenthalte in Wien das Studium dieser 
Zeichnungen sehr erleichtert hat, den aufricbtigsten Dank auszusprechen. 
' Von dem Längsschnitte bieten wir hier (in Abb. 7) nur den mittleren Teil. 
o" Einige nicht bezeichnete Blätter in der Mappe lassen wir hier außer Betracht und verweisen nur 
beiläufig auf die Zeichnungen I. Storotfs zum Palaste des Fürsten Potemltin; Storoff war fast der einzige 
geborene russische Architekt von einiger Bedeutung zu jener Zeit.
	        

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