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Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 8, 9 und 10)

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entzog) und das sogenannte Goldkabinett, ein kleiner, aber architektonisch 
streng gegliederter, Raum in gelblich getöntem Weiß mit zarter, streng 
klassizistischer, Goldverzierung. Oben an den Wänden finden sich Relief- 
medaillons mit Goldgrund; besonders die Baluster mit Gehängen dazwischen 
(an der gerundeten Wand gegenüber dem Fenster) lassen sich ganz ähnlich 
bei Quarenghi nachweisen, so in dem Längsschnitte durch das Eremitage- 
theater." 
Es scheint, daß hier vieles doch über eine bloß zeitliche Sti1verwandt- 
schaft hinausgeht. Von der Fassade darf man das wohl unbedingt sagen, und 
bei dem Saale haben wir ja den dokumentarischen Beweis einer, mindestens 
anregenden, Tätigkeit Quarenghis. Wie weit aber des Künstlers Arbeit ins 
Einzelne reicht, wagen wir, wie gesagt, einstweilen nicht zu entscheiden." 
 
Abb. 8. Fassade des Theaters der Eremitage, nach dem Stich irn Werke des Giulio Quarenghii" 
Gewiß war Quarenghi nicht der ausführende Baumeister des Wiener 
Palastes. Als solcher wird uns, wie uns Herr Kustos Alois Trost vom 
Städtischen Museum in Wien in freundlicher Weise mitteilt, Alois Pichl 
genannt, der auch das Landtagsgebäude in Wien ausgeführt hat, ein Mann, 
über dessen Leben und Wirken wir sonst aber noch sehr im Unklaren sind. 
Wenige Jahre vor dem Kriege soll sichi- im römischen Kunsthandel ein 
Aufriß unseres Modena-Palais befunden haben (wohl eine Baumeister- 
" Bei diesem finden sich auch gewisse rosettenartige Rundscheiben, die in dem Stiche (Abb. 7) aber 
nicht kenntlich sind und im Modena-Palaste wiederkehren. H Alt sind in dem zuletzt erwähnten Raume auch 
die Wandarrne. 
H Es wäre wünschenswert, daß sich eine Gelegenheit ergäbe, die verschiedenen Innenräume genau 
aufzunehmen und bekanntzurnachen; vielleicht ließe sich das mit Studien einer der Architekturschulen an der 
Akademie der bildenden Künste in Wien vereinigen. - Von Wert wird auch ein Vergleich dieses späteren 
Klassizismus mit dem früheren in Wien sein. wie er etwa bei Henrici hervortritt, über den wir in dieser Zeit- 
schrift rgx5. Seite 3155., einiges mitgeteilt haben. Einige Ergänzungen und Berichtigungen zu dem damals 
Gesagten, die wir hier bringen wollten, haben wir unterlassen, da eine eingehende Studie der Frau Dr. Marianne 
Zweig über das sogenannte Kaiserhaus (das frühere Czerninsche Palais in der Wallnerstraße) in Aussicht 
steht und, außer einer richtigeren Einreihung der dortigen (Neu-)Rckokoräume, wohl auch diese Fragen 
berühren wird. 
M" Tafel 32. Eine entsprechende Originalzeiehnung (Federzeichnung, rot, blau und braun laviert) in der 
k. k. Farnilien-Fideikornmißbibliothek, K. 28x, r73g. 
1- Nach gütiger Mitteilung des Herrn kaiserlichen Rates Dr. Ludwig Pollak, der bis zurn Ausbruche des 
italienischen Krieges in Italien weilte. 
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